Sonntag, 15. Dezember 2013

Auf das Leben!

Sitzen in der Bar. Räuchermännchen. Gläser voller Martini, Cola-Wodka. Pfeffirunde. Eine nach der anderen. Wir lachen, witzeln herum, bis die Worte den Raum in eine behagliche Ruhe bringen. "Was war euer schönster Moment in diesem Jahr?". Jeder wird still, die Köpfe senken sich. Der schönste? Oh man. Lege meinen Kopf auf meine Arme. Gehe das Jahr ab. Was war das Tollste?
Mir kommen Bilder in den Kopf. Kein einzelner Moment, eher eine Aneinanderreihung von einem Abend. Seine warmen Arme schlossen sich um meine Taille, bekämpften alles - Kälte, Sorgen, Schwäche. Plötzlich schwang ich oben in den Lüften. Nur seine leuchtenden Augen im Laternenlicht auf der einsamen Straße. Ich sah hinunter in den schönsten Sonnenschein und fühlte mich so frei und glücklich, wie schon lange nicht mehr. Es gab nichts anderes. Nur uns beide, im Laternenlicht. Ich in seinem Armen, mit den Füßen in der Lüft. Oder seine warme Hand in meiner, als wir nach unserem heimlichen Verschwinden uns wieder zurückschlichen. Irgendwie kommt es mir als erstes in den Sinn, vielleicht weil ich da das erste Mal nicht hinterher trauerte, sondern mich auf das freute, was noch alles vor mir lag. Der Schalter knipste um.
Oder der Moment, als ich sie endlich wieder in die Arme schließen konnte, und es war, als wären nie tausende von Kilometern zwischen uns gewesen. Es war besonders, ich fühlte mich so lebendig, vollkommen und glücklich. Wir lachten, redeten in Ellipsen und jeder verstand den Anderen, wir brauchten keine Worte. Wir brauchten uns. Und innerhalb von fünf Minuten sprachen wir Dinge aus, die uns seit einem halben Jahr auf der Seele brannten. Wir waren wieder komplett. ...während ich das schreibe, freue ich mich wahnsinnig auf Weihnachten. Auf sie. Und die Liebe.
Oder der Moment, als ich zusah wie meine Kinder ihre eigenen Bahnen zogen. Wie der kleine Mann ins Wasser sprang, untertauchte, das Wasser aus dem Gesicht wischte und lachte. Der Kleine, der mit vier fast an Krebs gestorben wäre, der der heute noch die Spuren der Chemo auf seinem Körper trägt. Und die Mutti, die mit der kleine Schwester und ihrem Teddy am Beckenrand stand und nicht meckerte, weil er irgendwas falsch machte, sondern sich einfach nur freute. Sie lachte übers ganze Gesicht, sie hatte verstanden, dass es nich um Druck, Fähigkeiten oder Wettkampf geht, sondern ihren kleine Jungen, der lebt und für einige ganz selbstverständliche Dinge tun kann. Der lacht, weint, spielt und springt. Wenn ich heute daran zurückdenke, werd ich traurig und glücklich. Daniel hatte so eine Lebensfreude, sein ganzes spannendes Leben noch vor sich und ich freue mich für ihn, seine Familie und alle, die ihn noch kennenlernen können.

Wie soll ich nun entscheiden, was der schönste Moment war? Es gab so viele, und viele viele mehr, die ich wohl gerade im Moment vergessen habe. Ich sage einfach: "Es war ein wunderschönes, beeindruckendes Jahr für mich." Und das war es. Ich habe so viel gelernt, so viel kennengelernt und bin mega gespannt, was 2014 alles bereit hält. Auf das Leben!

Märchen

Wir denken uns Märchen aus. Wie es wäre, wenn man sich wieder sieht. Wie es ist, wenn man die Tür öffnet und der eine Mensch einen das schönste Lächeln schenkt und tief in die Arme schließt. Wir legen uns Worte zurecht, um sie am Ende nie so zu sagen. Wir denken sie, wieder und wieder, malen es alles in rosarot goldig aus um es dann auf später... irgendwann... oder nie zuverlegen. Weil wir dann dastehen, den Mund nicht aufbekommen oder der Moment sich nicht ergibt. "Jetzt besser nicht!", denken wir. Flüchten in die Ungewissheit. Lieber gar nichts sagen, als verletzt zu werden. Lieber hoffen, als die bittersüße Gewissheit zu haben. Lieber den Kopf hoch in den Wolken, als tief im Sand vergraben. Was wäre das für eine Welt, wenn jeder seine Märchenwelten ausleben würde?
Und dann sitze ich wieder tief in den Sitz gekuschelt. Lehne meinen Kopf an die kalte Scheibe und beobachte die vorbeifliegenden Lichter. Sehe die munteren Augen, die jede Bewegung begleiten, jeden Blick aufnehmen, speichern und sich wochenlang daran erwärmen werden. Sehe die müden Finger, die sich langsam in die eine Richtung bewegen um im letzten Moment zurückzuzucken. Oder das gefälschte Lächeln, was den Schmerz tief in den Grübchen versteckt. Scheiße, warum machen wir uns eigentlich alle was vor?

Dienstag, 10. Dezember 2013

Meine Jahresbilanz

Meine eigene Jahresbilanz. Nun, ein Jahr ist wieder rum. Wir packen verstaubte Räuchermännchen aus, hänger Lichterketten auf und warte nur darauf ins Kaufhaus zu rennen um die tollsten der tollen Geschenke zu besorgen. Ein Jahr ist rum. Nur was war eigentlich los?

Es begann damit, dass ich noch recht frisch getrennt, mich irgendwann ins nächste Abenteuer stürzte. War auch schwer zu widerstehen, wenn man den ganzen lieben langen Tag hübsche durchtrainierte Schwimmer um sich herum hat. Meine Arbeit hat gefetzt, mich ordentlich ausgelastet, aber auch noch Platz für ein neues Risiko gelassen. Also los gings. Jedes freie Wochenende und einen Tag in der Woche im fremden Bett verbracht. Es kribbelte nur so überall, aber schnell verflog die Leichtigkeit und ich machte mich auf die Landung bereit. Oh ja, und die kam schnell. Und ja, auch sehr hart. Nur nachdenken konnte ich eigentlich gar nich so recht, hatte gerade zu dir Zeit Seminar. Eine Woche lang wieder mit Geichgesinnten durch die Halle gestriezt werden, über Problemkinder sich auslassen, Strategien entwickeln und sich selbst verausgaben. War gut. Zum Glück fielen mir keine Ausreden ein, da nicht Kopf und Kragen zu riskieren.
Und ja, dann lief das Jahr so weiter. Kinder in der Schwimmhalle nervten, strahlten, machten mich nass oder brachten mich zum Lachen. Sowie der beste Kollege, den man nur in so einen Alltag haben kann. Gemeinsam nichts machen, bis der Chef vorbeischaute oder ein Kontrollanruf kam. Oh man, was gibts besseres als die Beine hochzulegen und sich erstmal Pizza ins Büro liefern zu lassen? Klar, schöne Zeiten kommen und gehen, und auch das Pizzaessen fand seinen Ausgleich, wenn man mal wieder bis sonst irgendwann arbeiten musste. Oder zwei Wochen am Stück durcharbeiten durfte, weil wieder ein Wettkampf anstand.
Okay, weiter in der Jahresbilanz. Neben Arbeit gabs natürlich noch das Vergnügen. Irgendwie war ich kurz meinen Interessen entrutscht. Lieber schickimicki Ausgehen und in teueren Clubs feiern, als irgendwo zu kickern und Bier zu trinken. Aber zum Glück bekam ich die Kurve. Und so landete ich wieder wohlbehalten in den Armen meiner Freunde, die mich auch gleich zur Reich & Schön entführten. Mega!
Irgendwie verflog dann die Zeit, mit viel zu vielen Gedanken im Kopf. Aber hey, das mag ich jetzt lieber nicht lang und breit ausbreiten. Seelenstriptease folgt ein andermal.
Aber das muss noch rein: Scheiße war das ein geiles spannendes Jahr! Und ja, es endet hoffentlich genauso spannend und mit Kribbeln im Bauch wie letztes Jahr. Und ja verdammt, ich glaub noch dran!

Bereiste Länder: 1
Besuchte Festivals: 3
Gebrochene Herzen (passiv): 2
Gebrochene Herzen (aktiv): 5
Liebschaften: 4
Küsse: 100-200 ?
Neue Freunde fürs Leben:8
Wiederaufgetauchte Freunde: 3
Besuchte Hochzeiten: 0
Verbrannte Essen: 5
Haarfarben: 2
Alter: 20
Krankenhausaufenthalte 2013: 0
Verpasste Seminare/ Vorlesungen: 15?
Verpasste Chancen: 3
Gekaufte Schuhpaare: 3
Gelesene Bücher: +-10
Sorgen: 3-5

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Erinnerung

Das Schönste sind die Erinnerungen, die in uns schlummern. Ganz sanft und fest ruhen. Und dann einen kleinen Moment nur sind wir unachtsam, lassen unsere Deckung fallen - durch ein paar wenige Takte einer Melodie, eine Anordnung von Linien und Farben und die Eigenarten von Menschen, die uns sofort um zwei Jahre zurückwerfen können. Man blinzelt nur, und plötzlich steht man wieder da. Im Laternenlicht vor vielen Jahren, als wir uns in die Arme fielen. Oder einen Menschen nie vergessen machte, wo wir dachten, die Wege würden nun immer zweitausend Meilen auseinander liegen. Nur weil man es kurz aus den Augen verloren hat, ist es noch lange nicht verloren. Und erst recht nicht vergessen! Jeder Mensch, der in dir etwas hinterlässt, formt dich und wird dich immer begleiten.

Ich denk an dich. Heute an deinem Ehrentag. Alles Liebe meine beste Freundin, lebe dein Leben. Ich wünsch dir das allerbeste der Welt. Auf dich - und die Möglichkeit uns kennengelernt zu haben!


Mittwoch, 20. November 2013

Zahltag


Manche Momente zerren mit aller Kraft die Wahrheit an das Licht und lassen Lügen und Wünsche in Flammen aufgehen.
Wie ein voll beladener Güterzug brettert dieser Moment schon seit Monaten auf mich zu. Mächtig und unvermeidbar. Kollision. Mit der Schuld und der Konsequenz. Konsequent wie eine stumpfe Axt, die meinen Kopf spaltet. Mit nur einem Hieb. Aber schmerzhaft. Mit nur einem Satz beendest Du meine Sehnsucht nach Dir. Stürzt mich kopfüber in die Wut einer Nacht. Zurück in die Arme der Geister, die Du immerzu beklagt und bedauert hast an mir. In mir. Zurück in die Ohnmacht einer Wut, die mein Leben unvereinbar mit der Liebe macht. Unvereinbar mit Dir. Ich taumele zurück in ein Leben, das jetzt so viel leerer scheint nach Dir. Leer und still. Wie ein Rascheln im Wind. Das Poltern eines anrauschenden Zuges. Zurück in die Arme der Angst. In eine Welt der leeren Versprechen und gebrochenen Schwüre. In eine Welt ohne Deine Wärme. Eine Wärme, die jetzt kalt und abstrakt vor mir liegt. Entblößt. Entlarvt. Vielleicht ist es besser so aber es fühlt sich nicht so an. Vielleicht ist es besser für Dich. Ohne mich. Ohne Zweifel. Zweifellos die bessere Wahl.
Ich habe Angst den Weg alleine zu gehen. Einen Weg, den sich die Dinge bahnen, die in uns wohnen und noch keinen Namen tragen, weil wir uns ihnen noch nicht gestellt haben. Ein Flüstern in der Dunkelheit. Ein kurzer Reflex, der mir den Mut nimmt. Unter einer Decke mit der Zuflucht. Unter einer Decke mit jemandem, der nicht Du sein kann. Zuflucht kommt von Flucht. In mir flieht ein kleiner Junge vor dem Leben. Vor Nähe. Vor Liebe. Flucht in Ketten. In Ketten der Angst durch fremde Städte, fremde Betten, fremde Leben. Ein kleiner Junge als Seemann verkleidet mit einem Kompass, dessen Nadel sich im Kreis dreht. Landschaften ziehen an mir vorüber. Silbrig glänzen die Regentropfen an den Fenstern rasender Züge. Die Dinge bahnen sich wieder ihren Weg. Die Angst fordert ihren Tribut und lässt sich mit noch mehr Angst bezahlen. Verloren auf dem Weg zu Dir. Verloren auf dem Weg zu mir. Flucht kommt von Zuflucht. Etwas flieht in mir und sucht nach dem, was Du nicht mehr geben kannst. Nicht mehr geben willst, weil wir alles, was wir lieben eines Tages zurücklassen müssen. Heute Du mich. Morgen ich Dich.

Manche Momente kennen kein Erbarmen. Manche Momente zerren mit aller Kraft die Wahrheit an das Licht und lassen Lügen und Wünsche in Flammen aufgehen. Werfen uns zurück auf die Beine, mit denen wir zur Welt gekommen sind. Und, mein Herz, es ist gut so, wie es ist. Es fühlt sich nur nicht so an.



written by 
riotsk_le_riotsk
 http://www.neon.de/artikel/fuehlen/liebe/zahltag/1086096

Samstag, 16. November 2013

Mauer

Ich renne fest dagegen. Gegen harte Worte und noch härtere Minen. Aber auch wenns noch so sehr weh tut - ich grins dir ins Gesicht. Weil ich dich mag. Und mach mir einen Plan, der niemals aufgehen wird. Und denke an dich, auch wenn ich's gar nicht mag. Und ich versuchs wieder und wieder: ich renne fest gegen deine Brust. Gegen dich und deine dumme Sturrheit. Und umso mehr verliert es seinen Sinn, weil es nicht weitergeht. Aber so sehr ich mich bemühe, start ich wieder einen Versuch. Und mag so gern dir einen Zettel hinterlassen: "Ich bin da.". Falls du mal allein bist hinter deiner Mauer. Oder nicht weiter weißt.


Donnerstag, 14. November 2013

Wagnis

Ich habs schon mal versaut. Von Anfang an. Damals wollte ich fliehen und du warst der Mensch, der mir ein rießiges Loch in mein kleines Verlies schlug. Natürlich nahm ich deine Hand, die so nach Freiheit und Frühling duftete. Nur war ich nicht das, was du dir erhofft hattest. Ich wollte deine Hand nicht behalten, mit mir rumschleppen und dich zum Strahlen bringen. Ich wollte selber strahlen. Und das tat ich. Du hast mich gerettet und ich hab dich untergehen lassen.

Heute sitze ich hier und kann nicht klar denken. Meine Hände greifen ständig nach diesem Ding, was ein paar alte Worte von dir anzeigt, einfach nur, damit ich sie wieder und wieder lese. Es macht alles keinen Sinn. Überhaupt keinen.
Während ich an dich denke, werde ich nervös. Meine Hände fuchteln in meinem Gesicht herum, fahren ständig über meine Lippen oder streichen die paar einzelnen Strähnen hinters Ohr um sie drei Sekunden später, wieder zu befreien. Dabei könnte es so einfach sein. Wir hätten einfach nur Spaß haben können, wild tanzen, uns betrinken und dann zusammen einschlafen können. Einmal. Vielleicht auch zweimal. Aber das wärs gewesen.

Aber nein, du hast mich geküsst. Früh, als du schnell in den Alltag musstest und ich mich unter deiner Bettdecke vorm Tageslicht versteckt habe. Da standest du einfach vor mir. Fuhrst mit deiner Hand über meinen nackten Rücken und drücktest hart und sanft deine Lippen auf meine. Einfach so, dabei wollte ich mich davon schleichen. Verstecken. Und den Abend als wunderbarer unperfekter Moment in Erinnerung behalten. Und dich verschmitzt anlächeln, wenn wir uns im Laternenlicht mal wiedersehen würden.
Doch du hast wieder angerufen. Gefragt, ob du vorbei kommen kannst. Nein, war meine Antwort. Donnerstag dann vielleicht wieder. Brauch einen ruhigen Schlafplatz nach einer durchtanzten, schwitzigen Nacht. Und da waren sie wieder, deine warmen Hände, die mir mehr bieteten als ich annehmen wollte.
Und ich fand etwas, was ich nicht finden wollte. Dich. Wärme. Geborgenheit. Vertrautheit. Sicherheit. Und das schöne aufregende Gefühl, was überquillt und einen Strahlen lässt. Aber ich wollte diesmal nicht alleine strahlen - ich wollte dich zum Strahlen bringen.

Nur irgendwie kippte die Wippe auf einmal. Ich strappelte wie wild mit denen Beinen in der Luft. Du lachtest nur locker mit anderen, die Füße am Boden. Ich machte Handstände, baute die schönste Höhlen, ließ Drachen steigen oder tanzte wie wild vor dir herum. Dein Blick ruhte nicht mehr auf mir. Und plötzlich, mit ein paar Worten, brachtest du meine gute-Laune-Strategie ins Wanken. Du willst das mit mir, wirklich, aber die Unsicherheit frisst dich auf. Und ich habe mich gefressen.

Wie beweist man einem Menschen, dass man es absolut ernst meint? Die Frage wummert schon seit Tagen durch meinen Kopf, wie ein Kater, der einfach nicht verschwinden mag. Melde mich, schreibe über Einschlafen, deine glitzernden Augen und Vermissen. Ich, die mal wahnsinnig liebe Worte ausspuckt, Traumschlösser baut und dann nie darin einzieht. Die sich nie zurückmeldet und ständig Dinge absagt oder verstreichen lässt, weil sie sich nicht festlegen möchte. Ich lege mich fest und du glaubst mir nicht. Scheiß Ironie.

Überlege mir unverfehlbare Strategien, die dich an mich binden müssen. Situationen, in denen du nicht widerstehen können müsstest. Und wenn ich dann dich im hellen Raum zwischen all den lachenden Gesichern und frechen Worten sehe, ist alles hin. Kein Plan da, der meine Mauer aufrecht hält und deine einstürzen lässt.

Erinner mich an die eine Nacht zwischen deinen Kissen. Wir kämpften darum, wer den aktiven Part übernimmt, wer sich um den Anderen bemüht. Keiner wollte nachgeben. Wir wanden und drehten uns. Und wollten uns. Doch blieben stark und müde im Kissen versunken liegen. Mein Kopf auf deiner Brust. Mitten in der Stille lachtest du, vielleicht wars auch ein leises Meckern: "Du bist so schlimm! ....und wir uns so ähnlich! Du Sturrkopf!". Wollten eine Tafel anschaffen um Striche zu machen, wer gewonnen hat in unserem Kampf um das Nachgeben. Und du sprachst das erste Mal von Zukunft. Ich fands schön. Es sollte also Weitergehen. Kampfhahn gegen Kampfhenne.

So betrachtet hast du wohl gewonnen. Du musst dich nicht mal melden, um mich zum Nachgeben zu bewegen. Um meine Pläne zu zerhäckseln und dir einen dicken fetten Strich auf der Tafel zu verdienen. Am besten ich male dir einen mit Edding, damit du dich an deinem Sieg ergötzen kannst. Und ich meinen Untergang nicht vergesse. Du hast gewonnen. Das erste und letzte Mal gegen mich. Ich kapituliere. Ich will nicht kämpfen. Ich will dich. Und mit dir in unserem Traumschloss einziehen.

Game over.

Von Ufos. Und so.

0:38. Starre die Zeit an und sie mich. Will nicht verstreichen. Und macht mich auch nicht schlauer, wie ich es mir vorgestellt hatte. Man denkt immer "Ja die Zeit wird es ergeben, wird mir schon weiterhelfen". Nichts tut sie. Guckt nur starr und verstreicht mit jeder blöden Sekunde. Ich will was tun. Aber nicht unten sitzen und lachen und reden und so tun, als wäre der ganze Scheiß normal. Das ist es nicht, nicht für mich. Normalerweise bin ich die Spielerin. Die, die sich nicht zurückmeldet, die macht, was sie denkt. Ständig ihre Meinung ändert und ganz spontan vor der Tür steht.  Die mal wahnsinnig liebe Worte ausspuckt, Traumschlösser baut und dann nie darin einzieht. Aber nun sitz ich hier, bekomm den Mund nicht auf, denke, denke und denke und nichts tut sich. Sollte ich mich melden? Hab ich's verkackt, weil ich dich um meinen kleinen Finger wickeln wollte? Habe ich's schon versaut gehabt, als ich noch nicht einmal auf den Gedanken kam? Nun bist du mein Gedanke. Und jede blöde Zeichnung hat einen wunden Punkt. Drückt man den, bin ich weg. Irgendwo in einer alten Situation eingetaucht, die so sonderbar war, wie alles, was hier irgendwie läuft. Du bist wie ein Ufo. Ich hab nicht an dich gedacht, wusste nicht, dass es dich gibt. Und habe erst recht nicht daran geglaubt. Dann hast du dich kurz gezeigt. Von der schönsten, interessantesten, aufgeregensten und glitzernsten Seite. Und schon warst du da, in meinen Gedanken. Wollte dich berühren, deine Form erkunden, mit dem Finger deine Kratzer nachfahren und merken, wie schön rauh und zart du dich anfühlst. Wollte wissen, was sich hinter dir verbirgt. Was all die Mythen auf sich haben. Warum du so eine Anziehung ausübst und dann eiskalt verschwindest. Ab und zu ein leises Signal sendest, was keiner zu deuten weiß. Weder ich oder die vielen Herzensmenschen, die fast jeden Tag meine Faszination von dir aushalten müssen. Die scheiß Worte, die immer heraussprudeln und jede Unterhaltung, die meine Zunge auf dich lenkt.
Habe ich schon mal erzählt, dass ich Ufos, Weltraumzeug und so ein Scheiß nicht ausstehen kann? Alles Kram, der schwierig ist und von dem ich keine Ahnung habe. Und an den ich nicht glauben konnte, solange ich es nicht selber gesehen habe. Wie dieses Himmels-W. "Ich sehe da nichts", hab ich immer gesagt, egal welcher Arm hoch in den schönsten Sternenhimmel deutete. "Da sind doch unendlich viele, wie soll ich da ein W finden? Und selbst wenn, dass ist doch Zufall! Aus jeden fünf Sternen kann man quasi ein W bauen!". Und dann saß ich auf dem Beifahrersitz, lauschte der Musik, während wir über die Autobahn flogen. "Eeeey schau mal! Da! Das sieht aus wie ein W!", sprudelte aus meinen Mund. Ich war buff. Wirklich, ein richtiges W. Und nun such ich es jeden klaren Abend. Fasziniert mich. Dieses kleine unscheinbare Zeichen. Es ist meins geworden. Sieht aus wie meine fünf kleinen Leberflecke am Handgelenk. Und so seltsam es auch klingt, ich mag es. Richtig doll sogar. Diese zufällige Anordnung von Sternen und Ufos, die verschwinden, wenn man sie einmal, zweimal, vor's Gesicht bekommt.

Sonntag, 10. November 2013

Bärenfalle


Das Bild hat mich immer an dich erinnert.

Wenn ich dich wieder mal mir gefangen habe, ganz kurz. Bis du wieder weg musstest, schnell ins Leben. Bist eben ein beschäftigter Mann. Mit deinen großen Tatzen über meinen Rippenbogen gefahren bist, auf der Suche nach dem kitzeligen Punkt, der mich kampfunfähig gemacht hat. Wenn ich mich beruhigt zurück an deinen warmen Pelz gekuschelt habe.

Nur leider kann man dich nicht fangen. Nicht behalten, nicht festhalten. Du musst weiter, deine Instinkten folgen. Ich behalte nur das warme Gefühl der Nächte, die du hinterlassen hast, wenn du gegangen bist. Und nun verabschiede ich mich. Einen Bären kann man sich nicht halten, sagte meine Mama. Und dich kann ich nicht halten.

Mach's gut.

Montag, 4. November 2013

Verzaubert

Worte, die dich irgendwo mitten in einem Moment erwischen, dich fangen, festhalten, anheben und schweben lassen. Melodien, die dich gefangen nehmen und erst sanft wieder landen lassen, wenn sie ausklingen. Die Stimme, die ihre warme Hand auf deiner Schulter legt und dir fest in die Augen schaut und die Schönheit sich darin spiegelt.
4 Menschen, die Welt verzaubern können. Einer, der schüchtern vor all den leuchtenden Gesichtern stand und nervös gleich nicht mehr wusste, was er spielen wollte. Der einem Geschichten aus seinem Leben erzählt und man selber spürt, dass man dieses Glück auch in sich trägt. Mit jeder Person, die uns zum Lächeln bringt. Mit jedem Moment, der doch einmalig ist.

Danke Philipp für diesen perfekten Abend.


Samstag, 2. November 2013

Warum ich dich wunderschön finde

Warum ich dich so wunderschön finde.

Wie du wütend gegen den Schnee trittst und ich denke, Mann, was für ein Idiot. Und trotzdem ahne, was du mir bedeuten wirst.
Warum ich dich schön finde.

Manchmal liege ich nachts wach, draußen rieselt leise der Schnee - ganz wie im Lied -, und ich liege wach und mir fällt dein Gesicht wieder ein. Große, dunkle Honigaugen und ein wunderschönes, breites, immerzu amüsiertes Grinsen. Ich vermisse dich dann schrecklich, mein Herz klopft und ich fühle mich plötzlich lebendig, als ich nur in Gedanken meine Arme um dich schlinge und dich fest an mich drücke. Eine herzliche Gedankenumarmung, nur für dich. Weil ich dich tief in meinem Herzen trage.

Sechs Jahre sind vergangen. Sechs Jahre und wir halten unsere Geschichte fest, wir halten sie verborgen und immer wieder versuche ich, sie zu erzählen. Ich versuche die ungesagten Worte zu erfinden und die erzählenden Blicke, die uns so oft haben sprachlos werden lassen. Wir haben Wettrennen mit einem blassroten Sonnenaufgang gemacht - und gewonnen. Wir sind nachts ans Meer gefahren und haben uns nicht getraut, uns an den Händen zu halten. Wir haben uns wirklich böse Worte an den Kopf geworfen und wir haben ganz große, traurige Lieder gespielt. Vor hunderten von Menschen eine Liebeserklärung gelebt, die keiner, außer uns, verstanden hat.

Manchmal hast du mich unsagbar schön gefunden, dass du nichts mehr sagen konntest. Ich weiß das, ich konnte die Schönheit sehen, wie sie sich in deinen Augen gespiegelt hat. Momente, in denen ich zum ersten Mal begriff, dass auch ich, ausgerechnet ich, wirklich sehr schön sein kann.
Aber du hast mich auch häßlich gefunden, hast versucht, mich abzuschütteln, immer dann, wenn du gesehen hast, dass ich eigentlich eine Künstlerin bin. Immer, wenn du mir nicht folgen konntest, in diese seltsame Welt voller Farben und Worten, die du einfach nicht verstanden hast, dann war ich für dich sehr häßlich. Aber du hast mich trotzdem geliebt. Und darüber bist du oft sehr wütend geworden. Auf mich, auf das Leben, auf dich selbst.

Und immer, wenn ich einen Raum betrete und du bist da, dann ist es jedes Mal aufs Neue so, dass wir siebzehn werden und uns in einem unglaublichen Sommer verlieren. Es ist deine Anwesenheit, die die Luft schmückt. Deine Blicke, die sich über Wortgefechten hindurch einen Weg bahnen. Ich kann nicht anders, ich kann nicht böse sein, über das, was geschehen ist. Weil ich so froh bin, dass ich dich damals gesehen habe. Wie du vor deinem Roller stehst, siebzehn Jahre alt, du rauchst eine Zigarette. Wie du wütend gegen den Schnee trittst und ich denke, man, was für ein Idiot. Und trotzdem ahne, was du mir bedeuten wirst. An dir habe ich zum ersten Mal erfahren, was es bedeutet, zu lieben. Und nicht nur darauf zu warten, selbst geliebt zu werden.

Zum ersten Mal geliebt habe ich dich, als du mir mein Englischbuch aus den Händen gerissen und zum Fenster hinaus geworfen hast. ,,Schluss mit lernen", hast du gemeint und mich angegrinst, bevor du mir ein Kissen an den Kopf geworfen hast. Wir sind durch mein Bett gekugelt, wir haben gelacht und den Sommer über unseren Köpfen hinweg treiben lassen. Es gibt eines, was uns immer tief verbunden hat: Wir wollten Kinder bleiben. Es ging uns nicht um den Sex, das Küssen, das Zusammensein. Es war, wie wir uns gekitzelt haben, gelacht und schließlich erschöpft nebeneinander eingeschlafen sind, deine Hand auf meinem Bauch und unter meinem Arm ein herzförmiges Kissen. Wir wollten nicht am harten Leben abprallen, wir wollten uns verstecken.

Ich liebe dich so sehr, weil ich dich so wunderschön finde, in deiner Art, einfach zu sein, was du bist. Du liebst dein Auto und du robbst über den Boden, wenn es sein muss. Du machst verrückte Sachen, weil du den Ernst des Lebens nicht aushalten kannst. Du lachst dich wie auf einem Floß davon. Und nachts hast du Angst davor, dass die kalte Seite neben dir für immer leer bleiben wird. Dass es niemals eine Frau aushalten wird, dass du manchmal so unnahbar bist, dass du so furchtbar hohe Erwartungen stellst, dass du so eine kalte, fiese Angst in deiner Magengrube spürst, vor dem, was sich zwischen den großen Menschen abspielt. Du willst niemals so werden wie sie. Und bist es irgendwie schon.

Ich vermisse dich manchmal so schrecklich, dass es auf eine wunderbar warme Art, weh tut. Es ist nicht, dass ich wieder mit dir zusammen sein möchte oder darüber nachdenke. Es ist nicht, dass ich vermisse, wie du mein Gesicht in deine Hände nimmst und mir einen vorsichtigen Kuss auf den Mundwinkel drückst. Oder wie du neben mir liegst, eingerollt in deiner verflissenen Sternendecke und ein ,,Ich liebe dich" dahin hauchst, so, als wären es Zauberworte, die man behutsam anfassen muss. Nein, das ist es nie gewesen, was uns verbunden hat. Dieses klebrig romantische Ding, damit konnten wir nichts anfangen. Kann ich heute noch nicht.

Ich finde keine Worte, die es benennen. Aber es war zum Beispiel die Nacht, als ich hinter dem Tresen gestanden und immerzu Gläser abgewaschen habe. Du hast dich auf den Barhocker gesetzt und deinen Kopf auf deine Arme gelegt. So lagst du da mit geschlossenen Augen, um ab und zu heimlich zu mir rüber zu schielen. Manchmal habe ich dir eine Cola hingestellt und ich habe dich gefragt: ,,Weißt du noch? Als du mir zum Meer gefolgt bist?"
,,Was habe ich?", du schaust auf und in deinen Augen glänzt auf einmal neues Leben.
,,Ja. An dem Tag, an dem du mir erzählt hast, dass du in der Badewanne geschlafen hast."
Du schüttelst entrüstet deinen Kopf, so, als würde ich etwas unanständiges erzählen. Aber in deinen Augen liegt eine Zärtlichkeit, die fast weh tut. Die ich fast nicht aushalten kann.
,,Wenn ihr wollt, passe ich kurz auf.", sagt der schwere Muskelmann neben dem Tresen und grinst. ,,Wozu?", frage ich irritiert.
,,Na, damit ihr tanzen gehen könnt."
,,Wollen wir?", frage ich dich und mein Herz macht einen Sprung, weil es mich so eine Überwindung kostet, dich das zu fragen.
Und dann tanzen wir über die Tanzfläche, als beinahe einziges Paar. Es ist morgens, vier Uhr, fast alle Gäste sind weg und mir schlägt das Herz bis zum Hals, obwohl ich dich seit drei Jahren kenne, schon hundertmal neben dir geschlafen, dich schon so oft berührt habe. Aber immer wieder ist es, als würden wir uns zum ersten Mal berühren, zum ersten Mal ein Land betreten, welches uns bis heute unbekannt geblieben ist.
Du lachst, sagst, dass du es um diese Zeit nicht besser kannst. Du weißt, dass ich das Tanzen seit einem Jahr professionell verfolge.
Ich kann dein Herz schlagen spüren. Mir wird schwindelig.

Wir sind haarscharf aneinander vorbei geprallt. Ich bin sicher, irgendwo gibt es eine Parallelwelt, in der unsere Kopien diesen einen wichtigen Augenblick nicht verpasst haben, in dem sie ausgesprochen haben, was beide dachten. Eine Welt, in der ich nicht aus der Heimat geflüchtet bin und in der du dich getraut hast, mir diese eine, wichtige, Frage zu stellen. Wir sind dort nicht immer glücklich, manchmal verfluche ich deine blöde Art und manchmal findest du mich sehr nervend. Aber wir finden uns immer wieder, wir verlieren uns nicht, wir wissen, dass wir es nirgendwo wiederfinden würden, das, was zwischen uns steht und das, was wir niemals ganz loslassen und aufgeben können.

Es ist wie damals, in der Disco. Als wir uns gerade angebrüllt haben, frisch getrennt und todtraurig, weil wir doch eigentlich was anderes wollten. Gerade siehst du mich hasserfüllt an, als dieser betrunkene Vollidiot vorbei latscht, stehen bleibt, uns freiherzig und naiv angrinst und völlig sorglos daher plappert: ,,Ach, wisst ihr was, wenn ihr beide Kinder hättet, die wären ganz sicher total intelligent.", sprach es und zieht weiter, während wir peinlich berührt auf unsere Schuhspitzen starren und an Kinder mit großen Augen denken, mit Wuschelhaaren, die so sind, wie wir, nur besser. Nur nicht ganz so hohl und engstirnig und mutlos. Zweimal in sechs Jahren wäre ich beinahe schwanger von dir geworden.

Heute lebe ich in der bunten Großstadt und du bist noch immer in der Freiwilligen Feuerwehr. Du spielst Fußball und gehst an den Wochenenden auf die Scheunenpartys. Du hast ein bisschen Angst davor, dass irgendwann alle weg sind und du als einziger übrig bleibst.
Ich studiere und arbeite und werde irgendwann die Welt sehen, hoffentlich.

Trotzdem hat sich nichts geändert. Mich an dich zu erinnern, ist, wie nach Hause zu gehen. Ein heimeliges Gefühl in der Magengrube. Es ist, als würde ich tanzen, schwerelos, als würde ich in Gedanken über ein Parkett schweben, welches nur für uns daliegt. Es ist, als würde ich in eine Welt abtauchen, die nur wir beide kennen, die es nur wegen uns gibt, und Kraft schöpfen, um das Unmögliche zu versuchen. Ich weiß, dass das geht. Du hast mir das beigebracht. Du hast mich damals gerettet, als ich siebzehn war und meine Cola auf deine Jeans verschüttet habe. Als ich später weinend auf dem Klo saß und du mir eine SMS geschrieben hast: ,,Komm wieder raus!" Und ich raus gekommen bin, mit einem feuchten Lächeln, und du mir deine Jacke um meine Schultern gelegt hast. Als ich noch deine Rockgöre und dein Psychiater war.

Ich habe lange gedacht, ich müsste aufhören, dich zu lieben. Man müsste das, weil alle das tun. Weil es sonst keinen Sinn ergibt. Ich habe versucht, zu joggen, um dir davon zu rennen. Aber Tatsache ist, dass meine Liebe immer nur größer geworden ist, dass sie nicht weg geht, dass sie da ist, nicht, wie ein Feuer, sondern wie ein großer Bruder, mit dem ich mich nicht immer gut verstehe, aber zu dem mich trotzdem alles verbindet. Ich habe aufgegeben, zu versuchen, es zu erklären oder es umzubenennen. Aufgegeben, eine gute Freundin für dich zu werden und aufgegeben, aus uns eine funktionierende Beziehung zu machen. Stattdessen lebe ich mein Leben, liebe, streite und freue mich und manchmal, manchmal eben, liege ich nachts wach und erinnere mich an dich. Momente, in denen ich das Leben durch meine Blutbahnen pulsieren spüre, in denen ich dich so schrecklich vermisse und in denen ich dich gedanklich fest umarme, in der Hoffnung, dass du das spüren kannst, nicht, um dich an mich zu erinnern, sondern, um dir irgendetwas zu geben. Du warst das, was man Jugend nennt. Oder erste große Liebe. Und heute bist du meine allerschönste Erinnerung, mein Seelentröster und du bist es, der aus mir gemacht hat, was ich heute bin.
Eine Frau, die versucht, eine Schriftstellerin zu werden. Ob gut oder schlecht, das vermag ich nicht zu urteilen, aber ich muss es zumindest versuchen.

Weißt du, ich wünsche dir alles Gute auf dieser Welt. Ich wünsche dir, dass du glücklich wirst, dass du dich findest und diese Ruhe spüren lernst, die ich dir nie erklären konnte. Dass du die Stille zu schätzen weißt und dass du nicht immer suchen musst. Dass du auch mal ankommst, manchmal findest und dich an dir selbst festhalten kannst.

Weißt du, ich hasse es, wenn ich wegen dir so kitschig und romantisch werde. Wenn ich da hocke, mit glänzenden Augen und triefige Texte schreibe, wenn ich immer wieder über die Zeilen fräse, um sie grober und brutaler zu schreiben, damit es nicht so rosa ist. Nicht so... rosarot. Das mögen wir beide nicht. Aber ich habe noch nicht gelernt, bodenständig zu schreiben. Ich übe noch, die Liebe wie das Leben selbst zu beschreiben. Also, bitte, solltest du das hier jemals lesen, verzeih mir.

 by Madame_Frosch http://www.neon.de/artikel/-/-/warum-ich-dich-so-wunderschoen-finde/665070

Samstag, 26. Oktober 2013

Leben

Im Wirrwarr der Welt tanzen wir auf den Straßen. Drehen uns, bis die Regentropfen von uns tropfen. "Es ist nicht alles Kunst, was glänzt!" schreien wir. Wieder und wieder. Fühle wie mein Atem immer schneller geht. Wir keuchen in die noch warme Nacht. Sind zwar müde, aber zu abenteuerlustig um unser Leben zu verschlafen. Möchte am liebsten, dass du da bist. Hier neben mir. Möchte mit dir trinken, bis unsere Köpfe betrunken taumeln. Möchte mit dir nachts nach Hause rennen, in dunklen Ecken stehen bleiben und rumknutschen, als wären wir wieder 15. Möchte mit dir laut die Treppe hochpoltern, ins Bett fallen, die Klamotten überall verlieren. Möchte in deinen Armen aufwachen und mir überlegen müssen, ob all das wirklich wahr ist. Möchte dich küssen, unter die Dusche ziehen und 15 Uhr frühstücken. Das ganze Bett vollkrümeln und beschließen erst wieder aufzustehen, wenn wir beschließen unser Leben mit den anderen zu teilen. Bis jetzt möcht ich nicht teilen. Ich möchte dich. Neben mir, Hand in Hand.
Oder dir manchmal in den Arschtreten. Weil du nix verstehst.


Freitag, 25. Oktober 2013

Nothing

Love me. Love you. Love him. Love everything. Love. Love. Love. Nothing.



Mittwoch, 23. Oktober 2013

Zuckerwattenromantik


Schreibe das Datum auf meine Mitschrift über Pilgerwege, Heilige und Reliquien. Ganz klein nur an die Seite, hinter die dicke graue Linie. Wippe auf meinem hölzernen Stuhl im alten Hörsaal. Kann es sein? Kann es wirklich sein, dass heute der 23. ist? Hat er sich wirklich so angeschlichen?
Vor ein paar Wochen habe ich noch überlegt tiefgründige, klug gewählte Worte auf ein Stück Papier zu kritzeln. Sie sollten heute ankommen, in deinem Briefkasten. Du solltest aufstutzen, wer dir denn schreibt. Du solltest den Brief schon im Treppenhaus öffnen, aus Neugier heraus. Du solltest dich in deinen roten Sessel fallen lassen und gedankenverloren die Zeilen lesen.
Doch dann kam das Leben. Und das Leben... Ja es lebt inzwischen ohne die pausenlosen Gedanken an dich. Nur noch ganz selten schleicht sich dein Name in meinen Kopf. Bei Engelsdorfhausen. Oder diesen klitzekleinen Momenten. Und ich bin mir sicher, dir geht es ganz ähnlich. Das Leben ist es, was jetzt zwischen uns steht.
Und heute ist er schon da, der 23. Heute vor vier Jahren. Heute vor vier Jahren liefen wir im Laternenlicht vom Bahnhof zu dem schwarzen Audi. Versteckten uns in unseren übergroßen Sesseln hinter Schüchternheit und das was man "Sich hingezogen fühlen" nennt. Und ich habe auch heute noch die Kinokarte dazu. Irgendwann war der Mut groß genug. Und ich habe meine Hand in deine und mein Herz in deine Brust geschoben. Es gibt noch so viele Erinnerungen an diesen Tag. Sie sind feinsäuberlich in meinem Kopf eingeklebt, mit ganz viel rosa Zuckerwatte, damit sie sich auch nie herauslösen. Süß und klebrig. Oder das Frühstück in dem kleinen französischen Café. Ich bekam keinen Bissen herunter. Die Schmetterlinge in meinem Bauch flogen nur so. Was ist mit denen eigentlich passiert in den drei Jahren?
Es ist verrückt. Irgendwann war der Tag einfach unserer. Und ich weiß, bald werden wir ihn ganz vergessen haben. Irgendwo verloren hinter dem, was wir nun alles erleben. Verloren an das, was man Leben nennt.
Ich möchte nur, dass du weißt, ich denk an dich.

Was auch immer passiert, es war und ist unsere Geschichte.

 

Montag, 21. Oktober 2013

Punkt, Punkt, Komma, Strich

Überlegst kurz. Ziehst deine Lippe zu seinem schmalen Strich zusammen und hältst inne. Anstatt von einem Herzen malst du zwei Punkte aufs Papier. Ich nehme den Stift, der in deiner Hand ruht, und male ohne zu überlegen eine große gebogene Linie dazu. Deine Stirn runzelt sich. Dann blicken wir beide auf. Uns an. Und lachen. Ja, verdammt, das ist es!


Sonntag, 20. Oktober 2013

Night


Streust Salz in die Wunde, wo keine war. Streichelst über unsere Narben. Lachst im Affenzahn über uns, weil wir das sind, was du wolltest und ich nie. Streifst dein T-Shirt ab und nimmst meine Hand in deine. Fest. Für heute Nacht. Und die nächsten Wochen, ohne zu wissen, wohin wir eigentlich gehen. Ob wir überhaupt gehen. Wir können auch stehen. Dicht nebeneinander, ohne einander festzuhalten.

Freitag, 18. Oktober 2013

Regenmädchen

Regenmädchen

Du bist ein Regenmädchen, ziehst den Regen magisch an, immer auf der Suche, niemals angekommen.
Routine.Exzesse.Regentage.

Wochenende, es ist spät. Der Sommer ein verblasstes Souvenir. Zusammen mit den Freundinnen aus der Uni. Kleine Altbauwohnung, knarzende Dielen, Schwarz-Weiß-Fotografien an den Wänden. Dein Glück suchst du in Alkohol und Zigaretten, irgendwer hat Gras mitgebracht. Zwei Dutzend Fotos mit dem Smartphone. Zelebrierst die Fragmente deiner Jugend. Freitagnachts fällt alles leichter. Weißwein benetzt die Lippen, unbestimmte Traurigkeit das Herz. Du bist ein Regenmädchen, ziehst den Regen magisch an, immer auf der Suche, niemals angekommen. An manchen Tagen scheint alles wie ein fauler Kompromiss. Doch heute Abend, da weißt du wohin: Angesagte Party ist diesem neuen Club. Du weißt von ein paar Jungs aus deiner Vorlesung, dass sie auch da sein werden. Die Großstadt ist am Wochenende ein Dorf, das hast du schon früh einsehen müssen. Ein letzter Blick in den Spiegel, ein letzter Schluck aus dem Glas. Haare schwarz wie Ebenholz, Lippen rot wie Blut. Die Jagd kann beginnen.

Routine.
Exzesse.
Regentage.

In der Bahn. Freitagnachts sind alle Menschen schöner. Lachende Gesichter überall. Du spürst, wie der Alkohol in deinen Adern zirkuliert. Dein Herz schlägt unmerklich schneller. Ein erster Flirt kurz vor dem Aussteigen. Deine Handynummer? Nicht jetzt schon. Wenigstens Facebook? Kopfschütteln und ein flüchtiger Kussmund zum Abschied. Kleine Kriege um Bedeutsamkeit. Dann zweihundert Meter zu Fuß. Kurz vorher hörst du schon den Bass, der aus dem Keller dringt. Du und er, alte Bekannte. Die Schlange bestimmt zehn Meter lang. Am Eingang tauschst du acht Euro gegen große Erwartungen. Mantel und Erinnerungen an der Garderobe abgelegt, die Treppe hinunter, hinein in die Menschenmenge. Der Geruch von Schweiß und Alkohol. Hier fühlst du dich zuhause. Lässt dich gehen, lässt los. Gedankenverloren tanzend, ein Drink folgt auf den nächsten. Ziehst die Blicke auf dich, sammelst Fantasien. Gibst die Unnahbare und suchst doch nur Nähe.

Routine.
Exzesse.
Regentage.

Mehr Torkeln als Tanzen, wieder den Absprung verpasst. Freitagnachts sind alle Katzen blau. Deine Schönheit ist nur Maskerade. Hörst immer, dass du zu gut bist, aber nie gut genug. Wo kommen nur all die Zweifel her? Deine Freundinnen kannst du nicht mehr finden. Aber der eine Typ ist immer noch da und bemüht sich um dich. Hat bestimmt schon dreißig Euro in dich investiert. Volltrottel, denkst du. Und dann begleitest du ihn. In irgendeine WG dieser Stadt. Sollst wieder leise sein, weil irgendein Mitbewohner noch schläft und früh raus muss, Hausarbeit und so. Siehst wieder irgendein unaufgeräumtes Fünfzehn-Quadratmeter-Zimmer, kalter Rauch klebt an den Wänden, Klamotten in der Ecke, der Boden voller Zeitschriften, leerer Kaffeetassen und Aschenbecher. Wieder irgendein Bett, das so seltsam unvertraut riecht. Wieder ein Kuss, der so fad und austauschbar schmeckt, ungestüme Hände erkunden deinen Körper. Und dann fickt ihr. Und in diesem Moment, als er in dich eindringt, da fühlt sich die Leere in dir so unglaublich präsent an, so nah, so da, dass du das Gefühl hast, dich jeden Moment auflösen zu müssen. Aber nichts passiert. Nur sein Stöhnen hörst du und er küsst dich und du bist still und das Bett knarzt und ihr fickt weiter. Und er kommt. Und fragt, ob er dich noch fingern soll, „damit du auch auf deine Kosten kommst“ und streift das Kondom von seinem schlaffen Schwanz. Du schüttelst nur den Kopf, stehst auf und suchst deine Sachen zusammen. Ob du nicht noch auf eine Zigarette bleiben willst, fragt er und ob du ihm deine Nummer gibst, aber das hörst du gar nicht mehr, denn du bist schon zur Tür hinaus. Der Morgenhimmel so grau wie deine Stimmung, another wasted night, another wasted life. Der Regen jetzt in dir. Du sitzt in der Bahn und weinst. Aber du weinst so, dass es keiner sieht, so wie du immer weinst. Du weinst nach innen. Und die Tränen fließen deine Kehle hinunter und fallen in den tiefdunklen Abgrund in deinem Bauch und dann ist sie wieder da, diese unendliche Leere und es würde dich nicht wundern, wenn in dir genau jetzt ein schwarzes Loch entsteht, das die verdammte Bahn und die verdammte Stadt mit all ihren Sorgen und Ängsten schluckt. Doch nichts passiert. Und dann schläfst du ein, weil du zu betrunken und kraftlos bist, um weiter zu weinen und wachst erst auf, als dich jemand an der Schulter berührt.

„Hey“, hörst du eine Männerstimme.

Du denkst Oh nein und blinzelst und öffnest die Augen und bemerkst, dass die Sonne durch die Wolkendecke gebrochen ist und warme Strahlen auf dein Gesicht wirft. Und dann denkst du Oh ja.
„Ich beobachte dich seit über einer Stunde. Ich schätze, du hast deine Station verpasst, weil wir schon an der Endhaltestelle waren und jetzt wieder auf dem Rückweg sind. Ich hätte eigentlich auch vor ner halben Stunde raus gemusst, aber ich hab dich da so ganz alleine auf dem Vierer gesehen und du sahst so verloren und so wunderschön und so unglaublich traurig aus. Alles zur gleichen Zeit. Und ich finde, dass jemand wie du nicht traurig aussehen sollte. Seit du eingestiegen bist, überlege ich mir, wie ich dich anspreche.“

Du lächelst schief und sagst nichts.

„Aber wahrscheinlich gibt es keinen besonders charmanten Weg, ein schlafendes Mädchen anzusprechen. Und tatsächlich muss ich jetzt auch raus, meine Mutter hat heute Geburtstag und ich muss noch ein Geschenk kaufen und meinen Bruder abholen und so weiter. Weißt du was, ich hab dir einfach mal meine Nummer aufgeschrieben und würde mich wahnsinnig freuen, wenn du dich irgendwann mal meldest.“

Die Bahn hält und der Unbekannte drückt dir einen Zettel in die Hand.

„Ich bin Jonas. Steht aber auch darauf. Also dann. Bis bald. Und Kopf hoch!“
Du schaust ihm beim Aussteigen hinterher und lächelst immer noch. Mit großen Schritten nimmt er die Treppenstufen am Gleis und scheint so schnell wieder verschwunden zu sein, wie er gekommen ist. Die Bahn fährt weiter, das Sonnenlicht bricht sich in den zerkratzten Scheiben und der Stadtverkehr zieht an dir vorbei, Leute eilen zum Bäcker oder sonst wohin. Du musterst das Stück Papier in deiner Hand und speicherst die Nummer in deinem Handy. Dann tippst du ein einziges Wort und schickst es ab.

Danke.

gefunden auf:  http://www.neon.de/artikel/fuehlen/erwachsen-werden/regenmaedchen/1072455
Like you and me



Montag, 14. Oktober 2013

Moment

... da ist er, dieser Moment, wenn du den Kühlschrank öffnest, traurig dein leeres Fach begutachtest und gerade wenn du zumachen willst, diesen mega geilen Schokopudding siehst! Der nicht dir gehört. Mist.


Sonntag, 13. Oktober 2013

Sonntag

Wir schreiben die Worte kursiv. Mit einem fetten Punkt dahinter. Wir sind uns sicher, dass wir unsicher sind. Es tut gut mit dir zu reden. Worte zu sagen, die längst überfällig waren. Es tut gut zu spüren, dass du da bist, auch wenn du unsichtbar bist.
In manchen Momenten mag ich dich hauen. Gegen dein Brust trommeln und dir zeigen, dass es so nicht geht. Dass es so viele Sachen gibt, mit denen du mich wahnsinnig machst.

Deine Haare durchwuscheln meine Haare, fange deine Hände, die du knapp über meinen Kopf fangbar hältst. Genau in dem Moment lachst du jedes Mal auf. Wartest darauf, dass ich deine gefangenen Fäuste loslasse, damit du weiter gegen mich kämpfen kannst. Und wir fangen uns. Und wissen beide, wie es weitergeht, ohne zuzugeben, dass wir es wissen.

Samstag, 12. Oktober 2013

Nächtevertreiber

Nächte sind zum Schlafen da. Eindeutig. Nach um 2 Uhr allein im Bett sitzen bringt nichts Gutes. Nie. Man sollte sich hinlegen, die Augen schließen und den Kopf ausschalten. Aber dann liegt man da und nichts passiert.
Nächte sind zum Schlafen da. Nicht zum Fragen, ob man doch hätte antworten sollen. Ob man hätte einfach mutiger sein sollen. Ob man hätte jetzt woanders sein können.
Nächte sind zum Schlafen da. Besonders wenn man vorher wie wild getanzt hat. Man gelebt hat zwischen all den tollen Menschen und den noch besseren Momenten. Zwischen den Tönen, die man einfach mitgrölen und leben muss.
Nächte sind zum Schlafen da. Auch mal ohne dich, um meinen Stolz zu behalten. Um zu zeigen, dass jeder Spielregeln hat, an die man sich halten muss, wenn jemand einem wichtig ist. Oder eben nicht.

Nächte sind zum Schlafen da. Verdammt. Licht aus. Übergroßes T-Shirt an und Augen zu. Auf in den Kampf mit mir und dem unausschaltbarem Kopf.

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Vegankuchenparty

Casper drohnt. 14:55. Keine Uni, keine Verpflichtungen. Wollte nur mir ein Rezept raussuchen. Schon wieder vergessen. Gebe "veganer Kuchen" in die Suchmaschine ein. Komm spuck mir ein einfaches Rezept raus, aber eins mit Zutaten, die ich auch irgendwo finde.
Gestern Nacht bummeln gewesen. Klingeln - reinspazieren - Freibier - Gequatsche und weiter. Irgendwann nachts heim. Großes Treffen im Fernsehzimmer. Von 10 sind immerhin 6 wieder da. 2 davon nicht mehr ansprechbar, aber immerhin eingetroffen. Schmieden Pläne für den nächsten Tag. "In der Mensa gibts morgen Burger!" - "Ich hab Bock auf Turm morgen! Kommt jemand mit?" - "Hab keine Uni, wollen wir Kuchen backen?" - Und schon stand der Plan. Müsste nur irgendwann damit anfangen. Aber ich bin schon bisschen stolz auf mich: mein Stundenplan steht endlich. Zwei Tage ausschlafen, ein Tag komplett frei. Tutorium nur aller zwei Wochen. Yeah. Studium kann nächste Woche nun richtig starten. Oder eher morgen mit der ersten Vorlesung...

So ich such mir nun ein Rezept. Oder auch nicht. Aber meine hungrigen Mitbewohner lungern schon in der Küche herum. "Wolltest du nicht...?" Jaja klar. Nur die Zeit drückt nicht.


Montag, 7. Oktober 2013

Zuhause

Laufe zum Auto, hole den kleinen Kram heraus, der noch darin herumlungerte. Scheinwerferlicht und quitschende Reifen zeigen auf plötzlich auf mich. Laufe weiter. Scheibe herunter "Heeey!" - treffen uns vor der massiven Tür. Kippen raus, gibt mir Feuer, während seine Finger sich selber eine drehen. Wir lachen. Über Einziehen, Unischeiß und uns. "Und hast du dich schon eingelebt?" - "Na ich bin ja erst seit gestern da, aber ja, fühl mich hier schon wohl!" - "Schon nach einem Tag eingelebt, wohl neuer Rekord!". Lacht. Vergleichen Zimmergrößen, Sportlichkeit und unsere Art. Passt.
Schnappt sich seine Trainingstasche, läuft weiter, dreht sich herum und hält mir die Tür auf. "Komm neue Mitbewohnerin! Sehen wir uns gleich im Fernsehzimmer?"
Zuhause.

Sonntag, 6. Oktober 2013

Einzugsfremde

Kerzen schimmern, tauchen den weißen Raum in diesen warmen Ton. Eine fremde Welt in ein bisschen Gefühl. Doch noch starren sie mich an, diese hohen weißen Wände, die nicht zu mir passen. Werde morgen gleich losstapfen auf der Suche nach einem Ausgleich.
Stopfe die Schränke voll, stell die Pflanzen ans Fenster, bezieh mein Bett und kletter hinein. Hallo neues Zuhause, ich bin Kiwi. Werd dich füllen und Leben hineinschütten.
Zieh die Bettdecke hoch, kuschel mich rein und freue mich auf den nächsten Tag. Auf den neuen Abschnitt, auf das Abenteuer. Zum Glück bist du bei mir.


Freitag, 4. Oktober 2013

Fuck

Und plötzlich bleibt nichts mehr. Strömt davon in alte tiefe Löcher und lässt mich allein schlaflos in der Nacht zurück.
I.d.i.o.t!
Weil all die Hoffnung weichen muss. Weil du mir meinen Glaube an das Gute nimmst. Mach weiter. Nur ohne mich.

Dienstag, 1. Oktober 2013

Prinzenrolle


Ach wie war das? Der Prinz kommt angeritten, schnappt seine Prinzessin, küsst sie, nachdem er um sie gekämpft hat und weiß sofort, dass er sie für immer bei sich haben will. Und wieso genau hat mich noch kein Prinz entführt?
Es gab da eher einen Frosch, den man küssen musste, um festzustellen, dass auch das nur ein blödes Märchen ist. Frosch blieb Frosch.
Dann gab es da den Bösen. Der harte Kerl, der einen nur brauch um sich noch besser zu fühlen. Der zwar dann tapfer meine Hand hielt, aber mein Herz nicht berührte.
Es gab den Magier in meinem Leben. Der Typ, den man ewig schon kennen kann und trotzdem noch nicht alles weiß. Der sich immer zurücknimmt und wenn du es dann mal geschafft hast, dass er sich an sich heran lässt, deine Hand nie mehr loslassen will. Der dich einnimmt und deine Welt in eine komische eintönige Farbe taucht. Ohne Wunderland.
Und wenn ich es endlich geschafft hatte, an dieser Hand vorsichtig vorbeizugehen, stand da dieser Ritter. Glänzte in seiner Rüstung, zog mich auf sein Pferd, ritt mit mir in den Sonnenaufgang - nur was ist, wenn all das nicht dieses Glücksgefühl halten kann? Wenn irgendwann selbst der Sonnenaufgang langweilig und zeitlich begrenzt ist? Ja, ich stieg mutig ab. Wusste, dass auch die Rüstung nicht immer glänzt und der Ritter regelmäßig selber mit sich in den Krieg zog. Lief paar Schritte, schaute mich um, beobachte all die großen Wesen, wie sie ihr Leben leben. Ihre Heldenbrust nach vorgestreckt, damit auch jede (angehende) Prinzessin über diese fiel. Und sobald sie sich sicher fühlten, die Hand wegzogen, das Pferd in den Stall stellten und die Küsse auf andere verteilten.
Ja, ich habe beschlossen, mein Schema zu ändern. Wozu brauch eine selbstbewusste angehende Prinzessin schon einen Prinzen? Pfff. Ich brauch jemanden, der mich in den Arm nimmt. Der mir über den Rücken streichelt, während ich in seinen Armen schlafe. Ganz ohne Rüstung, ohne Pferd, Sonnenaufgang und mega Herzen zwischen uns. Jemand, der ehrlich ist. Dazu steht, was er tut. Sagt, was er zu sagen hat und ein Mädchen bei sich haben mag, welches ihm zärtlich einen Kuss auf die Wange drückt, seine Hand nimmt und nicht gleich loslässt.


Sonntag, 29. September 2013

Zu viel

Krame die alte CD heraus. Ohne Cover. Mit verschmierten Edding steht drauf: "Clickclickdecker + Damien Rice + Bosse". Lege sie ein, drehe lauter. Da ertönen die ersten Takte. Drücke pause, von vorn, play. Ziehe schnell die Sachen aus und drehe das Wasser heiß. Steige hinein und lasse meine Füße umspülen. Du scheinst zu ersticken / In der Zeit die ich verbrauch / Um deine Tränen zu zählen / Ich weiß es doch auch / Ich wusste es schon immer / Und so schmerzvoll es auch ist / Ich kann dir nicht helfen /Ich bin feige, ich hab Schiss Den heißen Wasserstrahl auf meinen Hals gerichtet. Es fließt an mir hinab, verfolge das Brennen. Du kannst mich nicht mal mehr ansehen. Bin plötzlich unsichtbar. Überlege alles in einen Brief zu kritzeln. Und abzuschicken, an dem Tag, der dir im Gedächtnis bleiben sollte. Dir zu sagen, was für ein blöder feiger Arsch du geworden bist.

Halte mein Gesicht hinein. Öffne die Augen und versuche, das Wasser einfach durchlaufen zu lassen. An meinen Wimpern bilden sich Tropfen, fallen hinab. Arsch. Sie sagte mir gestern, ich wäre nicht die Böse. Wäre ich nie. Dabei fühl ich mich so. Als hätt ich dich verraten. Sie sagte, du hättest mit mir reden sollen. Mich nicht hinterhältig vor Tatsachen stellen sollen. Sie hat mir so gefehlt. Die gute Seite an mir. Sonnenstrahl.
Fühl mich mit jedem Tropfen besser, der mir die Gedanken abspült. Sie wegträgt und im Abfluss verschwinden lässt. Schaue hinterher und lächele. Verdammt, hab ich sie vermisst. Aber sie ist wieder da. Liegen uns in den Armen und es ist, als wäre das Jahr nie dazwischen gewesen.
Stelle das Wasser ab, steige hinaus, bleibe noch kurz stehen und beobachte, wie meine Haut qualmt.

"Und wenn sie dich fragen, wo wir warn, sag dort, wo wir nich hingehörn, dort wo die Schiffe fahrn"

Samstag, 28. September 2013

Landung

Die Bilder überschlagen sich. Fühle mich wie besoffen, schwanke umher und habe doch einen klaren Kopf. Wünsche mir einen Drink in die Hand. Der vergessen macht. Der alles einfacher machen würde. Doch bleibt ein Wunsch.
Schließe meine Augen. Sehe Wolkenmassen, das kleine Bordfenster, Balkonstühle, Luftmatratzen und zwischen drin ihre müden Augen. Ihre warmen Hände und die Arme, in die ich gefallen bin. Tauche ein in diese Erinnerung. Wie sie da stand und ihm alle sein Unbehagen nahm. Lachten, redeten und seine funkelnden Augen hinterher, als er mir berichtete: "Sie kommt auch aus der Ukraine? Deine Tante ist  super lieb!". Ja, sie war super lieb.
Würde es gern löschen. Dieses verkackte "war", was den Satz in ein tiefschwarz taucht. Scheiße.
Vorhin saß ich noch im Flieger, habe mit dem Sonnenaufgang um die Wette gestrahlt und dieses magische Gefühl genossen, wenn man hoch oben über allem fliegt. Eins der magischen Dinge, bei dem man so ziemlich alles vergisst. Selbst, dass man sonst nicht mal auf einem Balkon im dritten Stock angstfrei stehen kann.
Und dann kam die Landung. Hart aufgeknallt bei den Worten: "Sie ist gestorben... Gestern Nacht.". Und man wusste nichts davon. Als wir in dem Moment ein paar tausend Kilometer weiter uns auf Zuhause gefreut haben.
Wir wussten nicht, dass nach dem Schweben der Aufbrall wartet.

Freitag, 20. September 2013

Hinterland







 Wache in den Armen auf. Reibe mir die Augen. Lasse den Kopf an der Schulter ruhen. Blicke nur kurz hinauf. Da beobachten sie mich schon. Groß, verschmitzt. Lese heraus, dass sie wissen wollen, wie ich zu letzter Nacht stehe. Wie ich zu dir stehe. Sagst, du musst jetzt los. Drückst mir noch einen Kuss auf. Kitzeln mich. Hart und kratzig. Wie ich über dich dachte. Legst die Decke über meinen müden Körper. Verfolge dich durch das Zimmer. Hose an, Gürtel zu. T-Shirt drüber. Verschwindest und stehst polternd wieder vorm Bett. Rucksack zu. Atme tief den männlichen Deogeruch ein. Riecht nach dir. Stark. Rauh. Nach letzter Nacht. Plötzlich wieder neben mir. Grinst. Wahrscheinlich darüber, wie verschlafen ich unter deiner Decke gegen das Tageslicht blinzele. Streichst mit deiner großen Hand über meine nackte Schulter. Das Schulterblatt entlang. Schließe kurz die Augen. Kämpfe an, gegen die Schläfrigkeit, die mich zurückzieht. Da spür ich es. Deine warmen weichen Lippen auf meinen. Wieder und wieder. Gebe mich hin. Schiebe meine Finger zwischen deine. Grinst. "Ich muss". Poltern. Und da fällt die Tür ins Schloss.

Tschüss und bis in einer Woche.

Montag, 16. September 2013

Welle, ahoi.


Lese alte Zeilen. Aus anderen Zeitaltern. Damals klapperte mein Herz bei jedem Schritt, bei jeder Erschütterung. Und nun liege ich hier. Den Blick an die Decke, das Herz gesenkt, die Haare offen verteilt und rege mich nicht. Nur der Kopf, der rennt. Deine blauen blauen Augen, die mich wieder mal beobachten. Und eine riesige Welle kommt auf mich zu. Deine Welle, die du wieder losgetreten hast. Mich bedroht. Und den alten Sand wieder aufwühlt, der längst mit Muscheln friedlich am Boden schlummert. Bitte dich laut und deutlich ihn liegen zu lassen. Hände auf den Ohren, Augen geschlossen. Wieder und wieder. Nur du kannst nicht. Kannst mich nicht lassen. Richtest deinen Blick auf all die seichten Wellen und sie beben sich auf. Nähern sich rasant, mit einem Tempo auf mich zu. Ich möchte nicht schwimmen, aber ich liebe das Meer. Und das Treiben darauf. Nur wieso schwimmst du nicht davon? Wieso holst du mich mit all deinen Wellen zurück?
Ich bin nicht wie du. Ich hätte dich untergehen lassen sollen, doch ich stand am Steg. Komplett durchweicht und eingefroren. Doch ich habe dir noch einen Rettungsring zu geworfen. Wollte mit dir zu neuen Inseln starten.
Ich bin nicht wie du. Ich hätte dich untergehen lassen sollen. Denn du kannst schwimmen.

Elif's Song

Wir verlieren was wir liebten, weil alles so kaputt geht. 
Das war nicht meine Absicht, dass alles so kaputt geht.
Dass alles so kaputt geht.

Doch mein Herz schlägt weiter 
auch wenn es fürchterlich brennt, wenn alles hier zerfällt. 

Doch nichts tut für immer weh. Und die Welt dreht sich weiter und wir sind nicht am selben Fleck.
Aber ich glaub es ist okay, denn nichts tut für immer weh.
Denn nichts tut für immer weh.

Und du tust mir nicht mehr, du tust mir nicht mehr weh.

Du tust nicht mehr weh.

- Elif "Nichts tut für immer weh


Samstag, 14. September 2013

Feuerfunke

Sie sitzt da, die Beine herangezogen, die Arme fest herum. Die Zehen in den Spalt zwischen den Holzbrettern gesteckt. Weiß, schwarz, rot, schwarz. Weiß, schwarz, rot, schwarz. Dann enden ihre Socken in der Jeans. Ihr Blick schweift über die geröteten Gesichter. Er erzählt ein paar Geschichten, wunderbar spannende. Sie hört nur nicht hin. Viel mehr ist es seine Mimik, die ihren Blick gefangen hält. Sein Grübchen, was tanzt, während er mit großen Worten um sich wirft. Und jeder schaut hinüber. Er versteht es, die Leute anzuziehen. Die Mädchen manchmal aus.
Ihr Körper spannt sich an. Versucht ganz still zu sein. Nur nicht bewegen, nur nicht den Moment beenden. Sie spürt sein Lachen, seinen Atem in ihrem Nacken. Gedämpfte Schritte poltern. Taumeln durch ihren Kopf. Ein bisschen Angst wandert über die Finger, die Arme und Schultern hinauf.
Mit jeder Zelle nimmt sie seine Anwesenheit auf. Weiß, wie er den Kopf schräg hält. Die Arme wild in der Luft, die Füße unterm Laub versteckt. Sieht dabei nur das Flackern des Feuers. Die kleinen Funken, die durch die Luft tanzen und auf den Schatten landen. Und dann ist er weg. Kühler Luftzug landet auf ihren nackten Schultern, wie sonst die glühenden Aschepartikel. Ihr Blick sucht. Sofort. Überall. Ohne Kontrolle. Seine dumpfen Schritte entfernen sich. Schnell, rasant. Da! Ihr Kopf gefriert. Sein Arm um ihn. Laufen Arm und Arm davon, lachen laut auf, genießen den Abend, feiern und wollen noch mal mit der Musik schweben. Sie landet gerade im Sturzflug.
Sie sitzt da, die Beine herangezogen, die Arme fest herum. Die Zehen in den Spalt zwischen den Holzbrettern gesteckt. Weiß, schwarz, rot, schwarz. Weiß, schwarz, rot. Weiß, schwarz. Weiß.



Freitag, 13. September 2013

[bis nach Toulouse]

Ich weiß nicht, wie ich hierhin gekommen bin.
Eigentlich nur einen Fuß vor den Anderen gesetzt. Nichts weiter gedacht, nur gemacht. Und es mir doch immer anders ausgemalt. Mit helleren Farben und Transparenz. Herzen, Blümchen und Sonnenschein. Und jetzt steh ich hier.
Hier, wo alle Träume plötzlich wahr werden.


ICH WILL DICH EINMAL NOCH LIEBEN WIE BEIM ALLERERSTEN MAL

Donnerstag, 12. September 2013

Wärme

Wenn du die Märchen schreibst, wieso sind es dann keine schönen?

Die Heizung klackert auf. In Minutenschnelle zieht dieser Duft durch den Raum. Wärme. Die Fingerkuppen nur kurz dagegen halten, bis es weh tut. Wegzucken und doch nicht widerstehen können. Dieses brennende Gefühl, was durch den Körper wandert. Was ist es, dass diese Wärme so unverzichtbar macht?
Schließe nur kurz meine Augenlider. Und habe das Bild von dir im Kopf. Öffne sie gleich wieder. Es ist die kuschlige Wärme, die dich für heute zurück in mein Kopf holt. Zurück in mein Bett.
Deine warme Hand, die meine umfasst. Dein Hals. Dein Oberkörper. Deine Füße, die hoch zu meinen wandern. Dein Arm, der mich an dir gefangen hält. Mein Versteck bildet. Dein Blick, der meinen Körper entlang fährt. Deine Lippen, die mal ein Lächeln formen, um dann kurz zu einem schmalen Strich zu werden. Und die Zeilen in meinem Kopf: "Alles in diesem Licht ist schön an dir.". Vielleicht auch nur die Dunkelheit, die nur kleine Stücke von uns preisgibt und den Schatten uns ins Gesicht zaubert. Möchte mich unter der Decke verstecken und hoffen, dass es Wirklichkeit wird, wenn ich wieder hervorkomme. Und die Wärme auf mir spüren, die du ausstrahlst.

Mittwoch, 11. September 2013

JA

Steige aus meinem Auto und lauf die Straße vor. Hier muss irgendwo das Haus von dem Foto stehen. Das dunkelbraune, alte. Ja, hier ist es. Erkenne es gleich und noch die 49 an der Wand. Habe noch Zeit. Laufe langsam die Straße weiter, den Blick in alle Richtungen. Hier Unigebäude und gegenüber auch. Weiter. Weiter. Weiter. Dönerladen, Burger-Restaurant, Ungar. Und vorne an der Ecke eine Shishabar. Wenn das kein Wohnort für Studenten ist.
Komme auf eine Straße, die mir plötzlich so bekannt vor kommt. Ja, hier müssen wir das letzte Mal lang sein. Finde Geschäfte, was zu essen und Sonnenschein.
Steige die Stufen herauf, lausche auf der Gespräch vorne an der Straße und die Schritte, die hinter mir lang kommen. Sie nehmen mich mit rein. Da steh ich, mitten in einer fremden Wohnung. Die Tür öffnet sich und mit ihr ein neues Leben. Sieben neugierige Gesichter auf mich gerichtet. Woher kommst du? Was willst du studieren? Was hast du vorher gemacht? Wie alt bist du? Erzähle es, wieder und wieder. Für jede Person, die noch reinstürmt. Schlendern dann los, einmal durchs Haus. Dein Zimmer. Das Bad. Deine Küche. Flur. Raucherecke. Bar. Bad. Küche. Fahrradkeller. Saal. Und das ist noch Franka, und Daniel und Christian. Und ich weiß nichts mehr. Nur das gute Gefühl im Bauch.
Antwort gleich. JA. Und die erhoffte Mail zehn Minuten später:
"also ich habe hier ein einstimmiges Ja bekommen daher kannst du gerne einziehen :) "

Montag, 9. September 2013

Nachtruf

Fahren durch die schlafende Stadt. Sitzen auf dem Balkon und rauchen, bis wir alles vergessen. Nehmen die Nacht in uns auf. Und den rießigen Sternenhimmel über uns. Es ist eine klare Nacht. Eine, die dich gefangen nimmt. Wackel mit den Zehen im Takt. Gegen die Kälte und für den Zauber. Denke an die letzten Tage. An das Abenteuer und die Menschen dahinter.
Sehe wie sie mir alle in die Arme fallen. Immer die gleichen Worte. "Du gehst jetzt wirklich nach Halle? Wann ist es denn soweit?" - "Du musst uns mal besuchen kommen!" - "Du kannst nicht einfach gehen!" - "Ich werde dich so vermissen!". Es sind die Sätze, die den Zauber zerwirbeln, zur Realität machen. Bis jetzt war es nur der kindliche Traum, den jeder sich im wohlgehüteten Kinderzimmer über Lego gebeugt, ausgemalt hat wie ein Ausmalalbum. Ausziehen,sich selber ein chaotisches WG-Zimmer anlegen, die Teller von Wochen vorm Bett stapeln, die dreckische Wäsche mit zu Mutti nehmen und eintauschen gegen die Duftende, wie nur Mutti sie hinbekommt. Heimkommen, wenn andere aufstehen und betrunken mit dem Fahrrad durch die Stadt.
Aber wir sitzen noch hier. Planen das nächste Wochenende. "Du kannst bei mir schlafen, da laufen wir nachts heim." Wir kichern über uns, wie wir hier auf dem Sofa in völliger Dunkelheit sitzen. Am liebsten würde ich schreien. Ganz laut über die Stille hinweg.
Öffnen die Balkontür, schieben unsere Hüftknochen gegen das kalte Geländer. Lachen noch einmal, bis wir anfangen. Hier stehen wir. Zwei Verrückte, mit jeder Menge Gegenwind und schreien in die Nacht hinaus. "Lass uns verschwinden!" - "Ja, ab ins Bett!".

Sonntag, 8. September 2013

Decke aus Erinnerungen

Er wickelte sie ein in eine dicke Decke aus Schweigen und Vertrauen. Sagte Dinge über Reue, Kennenlernen und erste Küsse. Erinnerte sich zurück und hatte wieder diesen Blick, der Frauenherzen höher schlagen lässt. Sie möchte es nicht hören. Sonst sieht sie ihn nicht mehr in dem Licht aus schillernder Neugier und Nähe. Er würde sich verwandeln in das böse Raubtier, was Herzen frisst. Heute nicht. Seine blauen blauen Augen funkeln sie an. Wie damals.
Vorsichtig fährt seine Hand an ihrm Arm entlang. Die innigste Berührung, seit sie sein Bett aufgebracht verlassen hat. Nur im Vorbeigehen. Er konnte sie nicht gehen lassen, an sich vorbei. Damals konnte er sie gehen lassen. Aus seinem Leben. Oder musste, weil sie nicht blieb.

Sie drückt die Decke fest an sich. Denn sie mag seinen Geruch, seine Art, seine leuchtenden Augen. Und er bleibt weiter mit seinem Blick an ihr hängen.
Und seine Goldmedaille über ihrem Bett.

Mittwoch, 4. September 2013

Öffne die Tür, durch die ich so oft gegangen bin. Laufe wie von allein ins Zimmer, stoße die schwere Tür auf. Halte ein Bein dazwischen. Brauche mehr Platz, damit ich mit der Kuchenform hineinpasse. Ihr sitzt schon da, mit dem Rücken zu mir. Tuschelt, lacht, horscht auf als die Tür krachend ins Schloss fällt. "Heeey Fräulein Richter! Ooor Kuchen!"
Ja, so einfach kann man euch eine Freude machen.
Laufe los, vorbei an den weißen Türen. Einmal durch die Klapptür durch. Zweite Tür links. 334. Sachen hinein, Badeanzug an, kurz vor den Spiegel, um zu sehen, ob auch alles sitzt. Shorts darüber und das rote neue Shirt "Hainsberger Sportverein Schwimmen" und groß "Trainer" darunter. Zumindest noch heute.
Das Wasser platscht nur so, als sie alle üben. Da reingesprungen, da die Beine ordentlich führen. Da lernen sie es noch, da können sie es schon. Und wir lachen. Über die Kinder. Über zu doofe Eltern. Darüber wie genervt er doch ist. Und wie schön er mich vollspritzen kann. Wir sind Verbündete. Seit Monaten schon. Wir gegen den Alltagsfrust, gegen die Bürotussi, gegen den bösen Boss und die schlechte Laune. "Was habt ihr denn? Seid ihr immer so zueinander?" Wir schauen uns an und nicken. Na klar. "Ihr seid wie so ein altes Ehepaar! Ärgert euch die ganze Zeit, versteht euch ohne was zu sagen und wenn einer lacht, macht der Zweite gleich mit!" - Ja liebe A., dass trifft es sehr gut.
Tage im Büro, wenn er mir aus dem Nichts sein Passwort verrät. Oder unsere Liebesgeschichten ausgewertet haben. Oder er mich festhielt, weil ich seine Müller-Milch erobern wollte.
Und nun geh ich und lass euch alle zurück. Euch ganzen verrückten Haufen, der das Jahr über meine Familie war.
Muss schmunzeln, wenn ich die Zeilen schreibe. Denke daran, wie ich im Kaufland stand und eine kleine Packung Knusperflocken in der Hand hielt. Legte sie schnell zurück - sie würde keine 10 Minuten überleben. Und das, wenn ich doch noch 4 Stunden vor mir hatte. Zurückgelegt. Familienpackung. Und ja, die Frage kam schnell "Or Knusperflocken! Darf ich?" oder auch in der Form "Wem gehören denn die Knusperflocken aufm Tisch?" - Mir. Ja nehm dir ruhig. Hab doch extra eine Familienpackung geholt. Für meine Fresssäcke. Für meine Familie.

"Mach's gut! Man sieht sich immer zwei Mal im Leben!"

Dienstag, 3. September 2013

Von Tomte, Sternen und der Suche

Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Habe das Gefühl, dass nichts, wirklich keine Worte ausdrücken können, was ich sagen möchte.
Ich weiß es ja selbst nicht einmal.
Spiele Geddankenspiele. Was wäre gewesen wenn... Was ist, wenn alles anders ausgegangen wäre? Was, wenn ich das Falsche getan habe? Was, wenn ich nie wieder etwas von dir höre?
 Versuche mir vorzustellen, wie das Leben in ein paar Monaten aussehen könnte. In ein paar Jahren. Wenn wir uns eines Tages wiedersehen mit klaren Augen.
Habe Angst zu verlieren und dich noch mehr. Möchte von unseren Abenteuern erzählen, aber sie kommen mir unrealistisch vor. So viel steht zwischen uns, was diese Zeilen unmöglich macht.
Habe das Gefühl uns zu verschweigen zu müssen. Und beneide dich um diese Eigenschaft. So viel wie in deinem Herzen vor sich geht, und das weiß ich nach unserem Weg, aber du verlierst kein Worte darüber. Als ich ging... du sagtest nichts, du hast keine Chance genutzt. Einmal dein kurzer Besuch, einmal deine Gute-Nacht-Geschichte. Ich habe all die Joker ausgespielt, aber du bliebst stumm. Vielleicht hattest du recht mit deinen Worten, du hast damit abgeschlossen.
Und ich beneide dich darum. Denn ich bin kein Mensch dafür. Stürze mich gern kopfüber in Sachen hinein, ohne Sinn und Verstand, hauptsache es trägt mich hinfort. Hinterher steh ich da und merke, dass alles nur spontane Ideen waren, die so schnell verfliegen, wie sie gekommen sind. Versuche dennoch das Gute zu sehen. Und sehe dich.
Es ist ein Tomte-Abend. Und ich weiß, wenn du diese Zeilen liest, wirst du mich verstehen. Vielleicht sogar stumm nicken. Ich weiß, du kennst mich. Wahrscheinlich besser, als jeder andere es jemals tun wird. Ich habe dir alles anvertraut und es ist gut beschützt in deinen Armen, egal wer in diesen gerade einschläft. Es ist nur so ein mieses Gefühl, dass genau der Mensch mir nicht mal mehr in die Augen schauen kann. Was ist mit uns passiert? Liegt noch so viel Schmerz zwischen uns?
Sitze hier, allein mit meinem Sekt und glühenden Wangen und weiß, mir wird keiner Antworten geben. Ich suche. Und suche und suche. Überall zwischen dem alltäglichen Werk und den Ausnahmen. Nur wonach such ich?

Findest du deinen Stern?

Montag, 2. September 2013

Sie sagte ihm mitten ins Gesicht, unter Tränen: "Ich liebe dich. Ich liebe dich so sehr. Aber ich kann dich einfach nicht mehr leiden.".

Du bist mir fremd geworden.

Nachtmensch

Durch die Nacht fahren.
Viel zu schnell. Nur die paar Lichter vor einem. Neue Kurve, neuer Schwung. Liebe den Reiz, das Gefühl, das Lied. Singen laut mit. Wollen nicht wissen, dass wir auf dem Rückweg sind. Fahren ohne Ziel. Neue Lichter.

Sonntag, 1. September 2013


Und wenn es deinen Namen anzeigt, bleib ich stumm.
Was hab ich dir zu sagen nach all der Zeit? Würde dir von all den Wochen zwischen uns erzählen. Würde dir doch so vieles verschweigen. So viel vorspielen.
Was soll man auch jemanden erzählen, der einen stehen gelassen hat?
Wie sagt man jemanden, dass er das Leben war und es jetzt dieses Leben nicht mehr gibt? Wäre gern ein alter, großer Kater mit sieben davon. Der weitergeht in seinem gemütlichen Gang, nicht nachdenkt, nicht erinnert. Sondern sich das Fell leckt, seine Milch trinkt und anmutig an dir vorbei läuft, ohne dich eines Blickes zu würdigen.

"Dies ist kein Abschied, denn ich war nie willkommen. Will auf und davon und nie wieder komm." - Casper

Samstag, 31. August 2013

So oder so

Das Leben ist bitter und süß wie Feigen
Du musst runterkommen und dich
entscheiden
Zwischen hinterher rennen und gelassen
Ich mein' unverkrampft die Dinge kommen lassen
Denn dein Glück geht tanzen
dein Glück kommt heim

Dinge gehen- Dinge bleiben

Ist nicht gesund, Kampf um Kampf
weil du es grad nicht ändern kannst

Das Leben beißt, das Leben küsst

Aber was Gutes wird passier'n
und wenns gut ist, bleibts bei dir
Jede Liebe wird irgendwann ans
Licht kommen
Es ist so einfach und nicht schwer
Is nur so, dass es sich nie so anfühlt

Wenn du lebst und lebst und lebst und lebst 
So oder so oder so
So oder so oder so
So

Aber was Gutes wird passier'n
und wenns gut ist, bleibts bei dir
Jede Liebe wird irgendwann ans
Licht kommen
Es ist so einfach und nicht schwer
Is nur so, dass es sich nie so anfühlt

Wenn du lebst und lebst und lebst und lebst
(Und Lebst und Lebst und Lebst)

Lalelalela,"lamentier nicht" sagt der Vater zu dem Emo-Mädchen
Unser Herz hängt oft an Dingen,
die schrecklich wehtun und nur austeiln'

Oder eben so für immer bleiben,
weil sie gut tun, passen,heilen und ja
so musst du nicht nur weinen
nur weil irgend ein Idiot gegangen ist

Aber was Gutes wird passier'n
und wenns gut ist, bleibts bei dir
Jede Liebe wird irgendwann ans
Licht kommen
Es ist so einfach und nicht schwer
Is nur so, dass es sich nie so anfühlt

Wenn du lebst und lebst und lebst und lebst
(Und Lebst und Lebst und Lebst)

Was Gutes wird passier'n

Wenns gut ist, bleibts hier

Wenn du lebst und lebst und lebst und lebst

Lebst und Lebst und Lebst
- Bosse
 Autotür zu. Mit dir gefangen in einem Raum. Nach unendlich langer unausgespochener Zeit. Und kein leeres Anschweigen zwischen uns. All die Zweifel sind gewischen, nur wir zwei. Deine tiefblauen Augen fixieren mich, deine Lippen formen ein Lächeln und ich weiß, hier bei dir zu sitzen, ist richtig. Richtig, nach all der Zeit die wir falsch gemacht haben. Wir gehören nicht zusammen, wir gehören nebeneinander. "Wasn?" lass ich in die Ruhe fallen. Sie glitzern, deine blauen blauen blauen Augen. Ja, ich sag es wieder. "Nichts", lächelst du. Und schüttelst stumm den Kopf. 
Öffne die Tür, sage dir, dass ich noch was zu tun habe. Du rutschst zu mir rüber, umarmst mich fest. "Machs gut!" - "Bis bald". Die Tür schließt sich und in mir nach der Flut der Gefühle, herrscht Ebbe. Eine wunderbare weiche Ebbe. Da fähst du davon, winkst noch kurz. 
Da klingelt mein Handy. Dein Name. "Wollt dir nur noch sagen, da vorne an der Ecke blitzen sie. Nich dass sie dich erwischen. Weiß doch wie du fährst..." Höre dein Lachen am anderen Ende. Da ist er, der so vertraute Klang zwischen uns. Der Klang, der alles vergessen macht, was schief ging. 

Freitag, 30. August 2013

Ein Jahr. Ein verdammtes ganzes Jahr!

Es ist Aus. Heute, morgen und Schluss. Ein Jahr. Ein ganzes verdammtes Jahr! So viel erlebt, so viel beobachtet, beheult und beschämt. Belächelt und umschwärmt. Vorbei. Von einem Tag auf den anderen gehör ich nicht mehr dazu. Gehört die Arbeit nicht mehr zu mir.

Und nach diesem Tag würde ich gerne sagen "zum Glück!". Aber es wäre ungerecht den guten, mit Lachen gefüllten Tagen gegnüber. Mir, dir, uns allen gegenüber.

Und jetzt steht ich da. Mit offenen Armen und dem Blick in der Ferne. Nur wohin? Ohne Fahrplan, ohne Aussicht. Der Gedanke lässt meine Arme sich verschränken, meinen Blick senken und das Herz laut pochen. Ja Scheiße! Wohin?
Vor einem Jahr stand ich genau an dem Punkt. Dieser verdammte Wendepunkt, der dich nicht in Ruhe lässt. Der dich nervös macht. Nicht einschläfen lässt. Und doch die Freiheit im Herzen, alles tun zu können. Ungebunden, frei, lebendig. Nur wohin soll die Reise gehen?

Und jeder der mich fragt, bekommt die selbe Antwort. Ja, das Jahr wars wert! Egal, was zu Bruch ging, etwas Neues ist entstanden. Aus der kindischen, launischen Kiwi, wurde Wiebke. Nicht weniger albern, aber... um ein Jahr gereifter. Wie ein noch nicht ganz guter Wein.


Und meine Emailadresse lautet immernoch wiebkeric.

Dienstag, 27. August 2013

Heute bleib ich liegen.
Es ist Dienstag, kein verregneter, öder, dummer Dienstag. Keiner der den Namen "Sonntag" tragen sollte. Die Sonne scheint, die Uhr kündigt die Mittagszeit an und ich liege jetzt halbverschlummert in meinem Sessel und mache nichts. Wieso auch? Meine letzte Arbeitswoche. Und am zweiten Tag bekomme ich frei. Wenn das mal nicht ein Grund ist, nichts zu tun!
Klar ist nichts tun bisschen übertrieben.
Die Wohnungs- bzw Mitbewohnsucherei wartet noch. Laptop an, E-Mail-Postfach auf. Warten auf Abruf. Nichts. Außer drei unbeantworteten Emails, die mich anstarren. "Wann bist du das nächste Mal in Halle? Wann wollen wir uns treffen?". Irgendwann die nächsten Wochen.
 Aber woher soll ich wissen, welche die beste Entscheidung wäre?

Schließ ich meine Augen, seh ich einen schönen Altbau.3. Etage. Helle Räume, größere Küche, mit bisschen mehr Platz zum Zusammensitzen. Nette aufgeschlossene Leute, die labern und Gesellschaft suchen. Zusammen kochen, zusammen nichts machen.
Öffne ich meine Augen, blicken nur die Emails auf mich. Ja, vielleicht ist ja meine Vorstellung unter diesen ganzen Mails versteckt. Muss nach Halle fahren nachschauen.

Sonntag, 25. August 2013

Es geht los. Schwung holen, Arme weit nach vorn werfen, Beine hoch, vor, weit. Auf die Landung vorbereiten.
Ja, es entsteht was neues. Was höheres, breiteres, neues.

Damit meine ich das Loslassenkönnen, das Ernstmachen, nun eben - das Springen! Ich wünsche mir nicht, in meine frühere Heimat und in mein früheres Leben zurückzuspringen, sie zieht mich nicht, ich habe sie beinahe vergessen. Aber ich wünsche mir: einmal, wenn die Stunde kommt und es notwendig sein wird, mich auch loszumachen und springen zu können, bloß nicht ins Geringere, sondern vorwärts und ins Höhere. - Hermann Hesse, Glasperlenspiel

Die Sachen werden gepackt, der Kopf nimmt Abschied, die Neugier ist geweckt, der Hunger groß. Ich will los. Ich will Neues erleben, mutig sein und weitergehen. Wie er sagte, ich will Loslassenkönnen.

Doch auch die paar Gedanken: geht alles gut? Werd ich es schaffen? Werd ich lachend in den Straßen stehen und nicht um die Vergangenheit weinen?

"Nur Mut", flüsterst du. Und das Kribbeln im Bauch wird wieder stärken. Erstmal loslaufen, bevor man über das Fallen nachdenkt.