Ich habs schon mal versaut. Von Anfang an. Damals wollte ich fliehen und du warst der Mensch, der mir ein rießiges Loch in mein kleines Verlies schlug. Natürlich nahm ich deine Hand, die so nach Freiheit und Frühling duftete. Nur war ich nicht das, was du dir erhofft hattest. Ich wollte deine Hand nicht behalten, mit mir rumschleppen und dich zum Strahlen bringen. Ich wollte selber strahlen. Und das tat ich. Du hast mich gerettet und ich hab dich untergehen lassen.
Heute sitze ich hier und kann nicht klar denken. Meine Hände greifen ständig nach diesem Ding, was ein paar alte Worte von dir anzeigt, einfach nur, damit ich sie wieder und wieder lese. Es macht alles keinen Sinn. Überhaupt keinen.
Während ich an dich denke, werde ich nervös. Meine Hände fuchteln in meinem Gesicht herum, fahren ständig über meine Lippen oder streichen die paar einzelnen Strähnen hinters Ohr um sie drei Sekunden später, wieder zu befreien. Dabei könnte es so einfach sein. Wir hätten einfach nur Spaß haben können, wild tanzen, uns betrinken und dann zusammen einschlafen können. Einmal. Vielleicht auch zweimal. Aber das wärs gewesen.
Aber nein, du hast mich geküsst. Früh, als du schnell in den Alltag musstest und ich mich unter deiner Bettdecke vorm Tageslicht versteckt habe. Da standest du einfach vor mir. Fuhrst mit deiner Hand über meinen nackten Rücken und drücktest hart und sanft deine Lippen auf meine. Einfach so, dabei wollte ich mich davon schleichen. Verstecken. Und den Abend als wunderbarer unperfekter Moment in Erinnerung behalten. Und dich verschmitzt anlächeln, wenn wir uns im Laternenlicht mal wiedersehen würden.
Doch du hast wieder angerufen. Gefragt, ob du vorbei kommen kannst. Nein, war meine Antwort. Donnerstag dann vielleicht wieder. Brauch einen ruhigen Schlafplatz nach einer durchtanzten, schwitzigen Nacht. Und da waren sie wieder, deine warmen Hände, die mir mehr bieteten als ich annehmen wollte.
Und ich fand etwas, was ich nicht finden wollte. Dich. Wärme. Geborgenheit. Vertrautheit. Sicherheit. Und das schöne aufregende Gefühl, was überquillt und einen Strahlen lässt. Aber ich wollte diesmal nicht alleine strahlen - ich wollte dich zum Strahlen bringen.
Nur irgendwie kippte die Wippe auf einmal. Ich strappelte wie wild mit denen Beinen in der Luft. Du lachtest nur locker mit anderen, die Füße am Boden. Ich machte Handstände, baute die schönste Höhlen, ließ Drachen steigen oder tanzte wie wild vor dir herum. Dein Blick ruhte nicht mehr auf mir. Und plötzlich, mit ein paar Worten, brachtest du meine gute-Laune-Strategie ins Wanken. Du willst das mit mir, wirklich, aber die Unsicherheit frisst dich auf. Und ich habe mich gefressen.
Wie beweist man einem Menschen, dass man es absolut ernst meint? Die Frage wummert schon seit Tagen durch meinen Kopf, wie ein Kater, der einfach nicht verschwinden mag. Melde mich, schreibe über Einschlafen, deine glitzernden Augen und Vermissen. Ich, die mal wahnsinnig liebe Worte ausspuckt, Traumschlösser baut und dann nie darin einzieht. Die sich nie zurückmeldet und ständig Dinge absagt oder verstreichen lässt, weil sie sich nicht festlegen möchte. Ich lege mich fest und du glaubst mir nicht. Scheiß Ironie.
Überlege mir unverfehlbare Strategien, die dich an mich binden müssen. Situationen, in denen du nicht widerstehen können müsstest. Und wenn ich dann dich im hellen Raum zwischen all den lachenden Gesichern und frechen Worten sehe, ist alles hin. Kein Plan da, der meine Mauer aufrecht hält und deine einstürzen lässt.
Erinner mich an die eine Nacht zwischen deinen Kissen. Wir kämpften darum, wer den aktiven Part übernimmt, wer sich um den Anderen bemüht. Keiner wollte nachgeben. Wir wanden und drehten uns. Und wollten uns. Doch blieben stark und müde im Kissen versunken liegen. Mein Kopf auf deiner Brust. Mitten in der Stille lachtest du, vielleicht wars auch ein leises Meckern: "Du bist so schlimm! ....und wir uns so ähnlich! Du Sturrkopf!". Wollten eine Tafel anschaffen um Striche zu machen, wer gewonnen hat in unserem Kampf um das Nachgeben. Und du sprachst das erste Mal von Zukunft. Ich fands schön. Es sollte also Weitergehen. Kampfhahn gegen Kampfhenne.
So betrachtet hast du wohl gewonnen. Du musst dich nicht mal melden, um mich zum Nachgeben zu bewegen. Um meine Pläne zu zerhäckseln und dir einen dicken fetten Strich auf der Tafel zu verdienen. Am besten ich male dir einen mit Edding, damit du dich an deinem Sieg ergötzen kannst. Und ich meinen Untergang nicht vergesse. Du hast gewonnen. Das erste und letzte Mal gegen mich. Ich kapituliere. Ich will nicht kämpfen. Ich will dich. Und mit dir in unserem Traumschloss einziehen.
Game over.
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