Sonntag, 29. September 2013

Zu viel

Krame die alte CD heraus. Ohne Cover. Mit verschmierten Edding steht drauf: "Clickclickdecker + Damien Rice + Bosse". Lege sie ein, drehe lauter. Da ertönen die ersten Takte. Drücke pause, von vorn, play. Ziehe schnell die Sachen aus und drehe das Wasser heiß. Steige hinein und lasse meine Füße umspülen. Du scheinst zu ersticken / In der Zeit die ich verbrauch / Um deine Tränen zu zählen / Ich weiß es doch auch / Ich wusste es schon immer / Und so schmerzvoll es auch ist / Ich kann dir nicht helfen /Ich bin feige, ich hab Schiss Den heißen Wasserstrahl auf meinen Hals gerichtet. Es fließt an mir hinab, verfolge das Brennen. Du kannst mich nicht mal mehr ansehen. Bin plötzlich unsichtbar. Überlege alles in einen Brief zu kritzeln. Und abzuschicken, an dem Tag, der dir im Gedächtnis bleiben sollte. Dir zu sagen, was für ein blöder feiger Arsch du geworden bist.

Halte mein Gesicht hinein. Öffne die Augen und versuche, das Wasser einfach durchlaufen zu lassen. An meinen Wimpern bilden sich Tropfen, fallen hinab. Arsch. Sie sagte mir gestern, ich wäre nicht die Böse. Wäre ich nie. Dabei fühl ich mich so. Als hätt ich dich verraten. Sie sagte, du hättest mit mir reden sollen. Mich nicht hinterhältig vor Tatsachen stellen sollen. Sie hat mir so gefehlt. Die gute Seite an mir. Sonnenstrahl.
Fühl mich mit jedem Tropfen besser, der mir die Gedanken abspült. Sie wegträgt und im Abfluss verschwinden lässt. Schaue hinterher und lächele. Verdammt, hab ich sie vermisst. Aber sie ist wieder da. Liegen uns in den Armen und es ist, als wäre das Jahr nie dazwischen gewesen.
Stelle das Wasser ab, steige hinaus, bleibe noch kurz stehen und beobachte, wie meine Haut qualmt.

"Und wenn sie dich fragen, wo wir warn, sag dort, wo wir nich hingehörn, dort wo die Schiffe fahrn"

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