Sonntag, 15. Dezember 2013

Märchen

Wir denken uns Märchen aus. Wie es wäre, wenn man sich wieder sieht. Wie es ist, wenn man die Tür öffnet und der eine Mensch einen das schönste Lächeln schenkt und tief in die Arme schließt. Wir legen uns Worte zurecht, um sie am Ende nie so zu sagen. Wir denken sie, wieder und wieder, malen es alles in rosarot goldig aus um es dann auf später... irgendwann... oder nie zuverlegen. Weil wir dann dastehen, den Mund nicht aufbekommen oder der Moment sich nicht ergibt. "Jetzt besser nicht!", denken wir. Flüchten in die Ungewissheit. Lieber gar nichts sagen, als verletzt zu werden. Lieber hoffen, als die bittersüße Gewissheit zu haben. Lieber den Kopf hoch in den Wolken, als tief im Sand vergraben. Was wäre das für eine Welt, wenn jeder seine Märchenwelten ausleben würde?
Und dann sitze ich wieder tief in den Sitz gekuschelt. Lehne meinen Kopf an die kalte Scheibe und beobachte die vorbeifliegenden Lichter. Sehe die munteren Augen, die jede Bewegung begleiten, jeden Blick aufnehmen, speichern und sich wochenlang daran erwärmen werden. Sehe die müden Finger, die sich langsam in die eine Richtung bewegen um im letzten Moment zurückzuzucken. Oder das gefälschte Lächeln, was den Schmerz tief in den Grübchen versteckt. Scheiße, warum machen wir uns eigentlich alle was vor?

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