Montag, 1. September 2014

Bilder


Ich hatte immer die Vorstellung im Kopf, wie ich aus dem Zug steige. Freudig vor mich hin grinsend schon vor der Zugtür stehe und kaum erwarten kann, den kleinen grünen Knopf zu drücken, damit sie sich öffnet. Und wie lange es mir vorkommen würde, bis dieses kleine Trittbrett ausgefahren ist.
Ich würde wohl alle anderen Menschen vor lassen und dann schnell zur Treppe laufen. In drei, vier schnellen Schritten hätte ich sie passiert und wäre in der großen Ankunftshalle. Würde am Blumengeschäft vorbeilaufen und denken, eines Tages stehst du mit einem Rosenstrauß vor mir. Vielleicht wenn wir uns nach langen Wochen wiedersehen würden. Oder einfach mal so, als Überraschung.
Ich würde durch die große Tür gehen und die letzten Stufen im Zickzack nehmen. Oben angekommen, würde die kühle Nachtluft mir ins Gesicht schlagen. Ich würde einatmen und mich an den vielen Lichtern der Stadt erfreuen. Und daran, dass du in ihr wohnst. Ein paar Erinnerungen würden aufkommen. An unser erstes Date, als wir mit Weingläsern in der Hand auf der Parkbank da hinten saßen und du dem jungen Mann gut zusprachst. Da hatte ich dich das erste Mal so richtig gesehen. Mit allem. Mit den Augen, deine blonden Wimpern und die Bartstoppeln, die sich unregelmäßig über deine Wange ziehen. Mit den Ohren, deinen Brandenburger Akzent, von dem du sagtest, vielen würde darin Matthias Schweighöfer hören. Mit den Fingern, deine warme Hand, die meine ganz fest hielt, als wir durch die Nacht liefen. Mit dem Herzen, den warmherzigen Mann, der sich Sorgen macht, ich könnte frieren und mir seine dicke Jacke anzieht. Der, der andere mit seinem Charme in eine stundenlange Diskussion fesseln kann, so das man die Zeit vergisst.
Und geschmeckt hast du nach Weißwein und ein bisschen nach Rauch. Und dein Duft. Dein einzigartiger Duft, nach Geborgenheit und Abenteuer.
Mit all diesen Dingen im Kopf, würde ich die Nachtluft einatmen und einen Moment stehen bleiben. Diese Stadt, die mir so viele Momente schon geschenkt hat.
Aber dir Vorfreude wäre groß, so groß, dass ich weiterlaufen müsste. Weg von den Treppen, eine 180° Drehung und über den gesamten Platz, der wieder voller Menschen wäre, die sich ins Nachtleben stürzen. Aber ich würde an ihnen vorbeigehen, bis hinter, an die kleine Mauer. Wahrscheinlich würde ich dich bereits erkennen. Im Laternenlicht, wie deine Augen die Dunkelheit absuchen. In der einen Hand deine Tasche, die dir diesen Businesslook verleiht, dazu dein dunkler Mantel und dein Schal, der so nach Weihnachten riecht.
Deine blonden Haare würde im Licht leuchten, sie wären ein bisschen zu lang, weil du es wieder nicht geschafft hättest zum Friseur zu gehen. Vielleicht würdest du darüber leise fluchen, wenn ich dich damit necken würde. Wie damals, als ich dir schrieb, dass einzige Problem, was an meinem freien Unitag besteht, die Entscheidung zwischen Kaffee und Tee ist. Du der Kaffeetrinker schlechthin. Ich würde deine Hand schnappen, schwungvoll Hin-und Herschwingen und dabei lachend sagen: "Na zum Glück haben wir dann gleich Wochenende!". Und deine müden Augen, nach dem langen Arbeitstag, würden aufleuchten. So hell und fokussiert, dass ich mir den Moment fest verpacke, wie ein Geschenk. Eines um das man schleicht, wenn es unausgepackt im Regal steht. Deine immer warme Hand würde meine suchen, deine Lippen meine finden. Und wir würden nach Hause gehen. Vor der Tür würdest du deine Taschen durchsuchen, "Wo ist nur dieser verdammte Schlüssel?!". Bis deine Augen diesen Ich-weiß-es-genau-Blick annehmen und mich herausfordern. Mit den Händen hinterm Rücken würdest mich gegen die Haustür drücken und versuchen ihn gespielt mit aller Kraft wiederzubekommen, würdest lachen, über meine kläglichen Versuche. "Der Schlüssel ist gar nicht da..." würde ich in dein Ohr flüstern und du antworten: "Wer sagt, dass ich zu dem Schlüssel will?" und mir dabei deine Hände unter die Jacke schieben. Wir bleiben so stehen, weil es so keine Zentimenter zwischen uns gibt. Keine Zeit, keinen Ort, keinen Menschen. Nur wir und dieser Moment, wie wir ihn schon erlebt haben. Den ich mir eingepackt habe in die kleine Schatztruhe namens Herz. Drei Schleifen herum und festverschlossen.

Heute steige ich aus dem Zug und schaue jedem ins Gesicht, doch es ist nicht mehr deins, was auf mich wartet. Zwischen uns sind keine Zentimeter, sondern Monate.

Dienstag, 12. August 2014

Wenn Geschichte ruht, aber die Nacht glüht


Noch heute tanzt du mit mir. Greifst meine Hand, wenn ich total verschwitzt von einem Bein auf das andere springe. Mir meinen Weg durch die Masse bahne und einfach nur diesen Rausch genieße. Du greifst zu, ziehst mich mit einem Ruck zu dir. All die Menschen verschwinden dann, nur du und ich im Lichtschein und die raumeinnehmende Musik.

Du drehst mich ein, drehst mich aus, ziehst mich an dich heran und dein ganzes Gesicht lacht.

Wir sind weitergegangen. Damals. Vor ein paar vielen Monaten.
Und haben uns behalten. 
Für die paar Momente, die nur uns gehören. Wenn es egal ist, wo wir stehen oder wer mit uns das Bett teilt. Wenn Geschichte ruht, aber die Nacht glüht. Und deine Hand nach meiner greift.

Ich mag deine sturre Art, dein Lachen und deine selbstbewusste Haltung. Dass du nur das tust, was du allein für richtig hältst. Dass du jeden Scheiß mitmachst und das Leben so nimmst, wie es ist.

Und du drehst mich ein, drehst mich aus, ziehst mich an dich heran und dein ganzes Gesicht lacht.

Samstag, 8. Februar 2014

Street Art Leipzig


Die Leipziger Madonna

Ein 20-Jahre altes Graffito des Künstlers Blek le Rat wurde an einer Leipziger Häuserwand wieder entdeckt

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Eine Leipzigerin hat das vermutlich älteste erhaltene Graffito des französischen Künstlers Blek le Rat entdeckt und mit ihm die Geschichte einer Liebe.
Ein Frau in schwarzem Gewand steht barfuß auf Zehenspitzen und neigt den Kopf zur Seite. In den Armen hält sie ein nacktes Kind. Die Figur erinnert an eine christliche Madonna. Sie befindet sich allerdings nicht in einem Museum, sondern ist an die Wand eines Leipziger Hauses gemalt.
Viele Jahre kam Maxi Kretzschmar auf ihrem Schulweg an dieser Madonnenfigur vorbei. Mit der Zeit wurde die Hauswand mit immer neuen Plakaten zugeklebt. Das Bild verschwand und die 31-Jährige vergaß das Bild wieder. Als sie mit einem Freund im Januar dieses Jahres an ebendiesem Haus vorbeigeht, hängen einige Poster zerfetzt herunter. Hinter den Überresten erkennt sie den Kopf der Madonnenfigur.
Ein anderer hätte das Graffito vermutlich übersehen, doch die Kulturmanagerin beschäftigt sich seit über fünf Jahren auch beruflich mit Kunst, organisiert zum Beispiel Ibug, ein internationales Urban-Art-Festival. Als sie vom Plakat noch ein paar Stücke abreißt, wird ihr schnell klar, dass sich dahinter nicht einfach nur eine »Schmiererei« verbirgt.
Sie recherchiert im Internet und tatsächlich handelt es sich bei dem Graffito um »Die Frau mit Kind« des französischen Künstlers Xavier Prou, alias Blek le Rat. Er gilt als Begründer des Stenciling. Beim Stenciling werden – anders als bei Graffiti – die Kunstwerke nicht freihändig auf die Wände gesprüht, sondern mithilfe einer Schablone. Daher kommt auch der Name Schablonengraffiti.
»Damals wurden Graffiti noch nicht kriminalisiert«
Maxi Ketzschmar überlegt, was sie mit ihrer Entdeckung anfangen soll. Nach drei Tagen schreibt sie dem Künstler Blek le Rat eine E-Mail. »Ich habe so lange gewartet, weil ich vor dem Urvater der Schablonengraffiti großen Respekt hatte«, sagt sie, »schließlich wollte ich nicht wie ein Groupie erscheinen.« Le Rat ist alles andere als genervt und schreibt prompt zurück. Denn das Kunstwerk hat eine ganz besondere Geschichte: Anfang der Neunziger wurde Blek le Rat von der Universität Leipzig eingeladen, um die Stadt mit seinen Graffiti zu verschönern. »Das war eine Zeit, in der Graffiti noch nicht kriminalisiert wurden«, erinnert er sich. Le Rat, damals Ende 30, folgte der Einladung und die Madonna, die er auf der Hauswand hinterließ, ist nicht irgendwer, sondern das Abbild einer ganz bestimmten Frau: Sybille. Die aus Liebertwolkwitz stammende Frau und der französische Künstler lernten sich in Leipzig kennen und aus der Bekanntschaft entwickelte sich eine Liebesgeschichte, die bis heute andauert. Sybille ist seit 20 Jahren mit Xavier Prou verheiratet, zusammen haben sie einen 19-jährigen Sohn. »Es wäre schön, wenn wir das Graffito an diesem Platz erhalten könnten, denn es bedeutet eine Menge für Sybille und mich«, sagt der Künstler. Nirgendwo auf der ganzen Welt gebe es ältere Spuren seiner Kunst. Kein Zweifel: Die Madonnenfigur ist ein einzigartiges Kulturgut. Auch in der Graffiti-Szene selbst. Denn obwohl politische Stencils eine lange Tradition haben – ein bekanntes Bild von le Rat ist ein Ire, der britische Soldaten beschimpft –, konzentriert sich der heute 60-Jährige vor allem auf unpolitische Motive: 1981 beginnt er Ratten auf Wände zu sprühen, lange bevor der britische Undercover-Künstler Banksy mit seinen ersten Ratten-Stencils berühmt wird. Le Rats Figuren sind für ihn Kommunikationswerkzeuge: »Wann immer ich sie auf die Wände malte, hatte ich das Gefühl, einen Teil von mir selbst in den Städten, die ich besuchte, zu hinterlassen.« Nun ist ein Teil von ihm in Leipzig geblieben.
Deswegen schreibt Maxi Kretzschmar nicht nur E-Mails mit le Rat, sie telefoniert abwechselnd mit dem Hausbesitzer und dem Kulturamt der Stadt Leipzig. Obwohl die Sprühkunst oft als Verschandelung der Umwelt angesehen wird, sind sich in diesem Fall alle einig: Das Bild soll konserviert werden. »Sobald es wärmer wird, schneidet eine Firma das Graffito heraus und sichert es«, sagt Hausbesitzer Horst Schulze*. Die Kosten dafür trägt er selbst. »Es ist ein Stück Leipziger Kultur, die erhalten werden muss«, meint er. Bis es so weit ist, bleibt geheim, wo sich das bemalte Haus befindet. Die Angst vor Vandalismus ist groß. Das ist ganz im Sinne von Ansgar Scholz vom Kulturamt Leipzig. Auch Scholz will das Graffito erhalten. »Am liebsten sogar an Ort und Stelle«, sagt er, »damit es öffentlich zugänglich bleibt.« Das entspräche dem Charakter von Street Art und sei Denkmalpflege im besten Sinne.
Maxi Kretzschmar hingegen spricht auch mit dem Museum der bildenden Künste. Eine andere Möglichkeit sei, das Bild mitsamt Untergrund im Museum auszustellen. Doch ob Streetart im Museum gut aufgehoben ist, bleibt fraglich. Blek le Rat selbst freut sich zwar über die Initiative der Entdeckerin. Aber auch für ihn ist Graffito temporäre Kunst. Was auch immer mit seiner »Frau mit Kind« passiert: »C’est la vie, es ist Graffiti«, schreibt er Maxi Kretzschmar.

Donnerstag, 30. Januar 2014

Rätsel

Ich hasse Rätsel...Eigentlich

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Ich bin weder herzschmerzfrei noch superglücklich, mein Leben lebt so leise vor sich hin. Eigentlich, kann man sich da nicht beschweren. Nur manchmal lebt es so leise, dass ich mich selbst nicht mehr und den Tod im Nacken spüre. Und da ich eigentlich Anti-Langweile bin, dass aber im Sumpf der Langweile gerne vergesse, um dort langsam zu versinken bis nur noch mein Kopf herausragt und die Angst vorm Tod oder sein stinkender Atem mich vor die Haustür jagt, beschließe ich wegzugehen. Nur für zwei, drei Tage, nicht länger, denn ich weiß, dass Langweile und Depression aufholen und ich eigentlich nicht vor mir weglaufen darf.

Zögerlich mach ich die ersten Schritte und erst wenn ich sicher bin, dass ich noch laufen kann, beschleunige ich und dann renne ich, renne vorbei an den altbekannten Fassadenfratzen und mache erst beim Bahnhof halt. Das Ticket in der Hand, das Gepäck auf dem Rücken, den Tod nicht im Genick sondern zuhause auf dem Sofa, mein altes Leben in Stücken, gehe ich zum Zeitungskiosk, weil es dort meistens leise ist. Ich scanne jede Titelseite, durchblättere den Spiegel, das Rolling Stone, zugegeben auch mal die Intouch und weiß dann am Ende immer noch nicht was der Inhalt verspricht. Und weil ich schon ewig im Laden stehe, es mir langsam peinlich wird, der Blick des Verkäufers mich stört, entscheide ich mich in meiner Entscheidungsnot am Ende für ein Rätselheft.

Zurück auf das Gleis. Zurücktreten, bitte. Der Zug fährt gleich ein.

Ich beobachte wie andere Menschen leben, ihre Geliebten ein letztes Mal in den Armen und auf den Lippen spüren, und dann spüre ich Nadelstiche in mir und bin froh wenn der Zug dann endlich einfährt und ich mich setzen, Landschaften an mir vorbeiziehen und Gedanken schweifen lassen kann. Zwischen Herzen auf Tour laufen meine Gedanken auf Hochtouren und jetzt weiß ich was ein Runner’s High ist: Meine Gedanken machen was sie wollen, lassen mich dabei in Ruhe und in Ruhe die Landschaft genießen. Doch da ich mich oft in Züge flüchte und die hiesige Landschaft dann doch nicht so spannend ist, schalten meine Gedanken einen Gang und noch einen Gang niedriger ein, so dass nicht mehr allzu viel übrig bleibt. Das sieht dann ungefähr so aus:

Baum.....Baum...Baumbaumbaumbaum...Wald....Baum...Wiese...Nichts.

Zeit mein Rätselheft aufzuschlagen. Und noch während ich vorbei an Rezepten für Mousse au Chocolat und Abnehmtipps blättere, weiß ich, dass ich die leeren Kästchen nicht füllen werde, auch wenn die Zeit hier im Zug dann vielleicht sinnvoll genutzt wäre. Außerdem habe ich keinen Stift dabei. Ich beschließe Rätsel zu hassen, weil sie mich daran erinnern wie sterbenslangweilig mir ist. Solche Rätsel die schwarz auf weiß nur zum Zeitvertreib und Vergnügen dienen und dessen Lösung eindimensional ist. Dessen Lösung mir nicht weiterhilft und mir nichts über das Leben verrät. Das ist doch eh nur etwas für alte Leute, die alles erlebt, unzählige Reisen hinter sich und sich entschieden haben, nicht aus Langweile zu sterben, weil sie die meisten Rätsel des Lebens gelöst oder akzeptiert haben, und stattdessen die leeren Kästchen mit den richtigen Worten oder Zahlen füllen, weil sie sonst nichts mehr zum Rätseln haben. Oder für die Menschen die aufgegeben haben. Aber ich will nicht aufgeben, jetzt noch nicht, hallo, ich bin siebzehn, und schenke das Rätselheft der weißgelockten alten Dame schräg gegenüber, die mir dafür ein Lächeln schenkt. Und was mache ich jetzt?

Ich suche Blickkontakt, doch die meisten Augenpaare ruhen auf Displays, Bücherseiten oder auf der Landschaft draußen. Auch der Typ gegenüber schaut raus mit diesem leeren Blick, erinnert mich an mich, das kann ich jetzt gar nicht gebrauchen. Und trotzdem schaue ich ihn länger an als gewollt, denn ich frage mich, was seine Geschichte ist, denn in dem Moment kann ich mir nicht vorstellen, wie ein so schöner Mann so unübersehbar unglücklich sein kann. Eigentlich will ich nicht, dass er merkt wie ich ihn beobachte, wie ich ihn beinahe anstarre, aber jetzt ist es schon zu spät, er reißt sich von der Gedankenlandschaft los, wendet seinen Kopf, schaut an mir vorbei und beginnt umständlich in seinem Rucksack zu kramen.

Überaus beschäftigt tun, genau das mache ich auch, wenn fremde Blicke auf mir ruhen, Fragen mich durchbohren, ich keine Antwort finde und in Ruhe gelassen werden will. Na, danke auch, denke ich, und im selben Moment, ja, ich versteh’ dich doch, doch schade, dass du mich nicht lächelnd zur Kenntnis nimmst. Ich hab’s kapiert, wende mich ab und er hört auf in seiner Tasche zu kramen und ich höre wie er ein Stück Papier glatt streicht. Jetzt sollte das Geräusch eines kratzenden Stiftes folgen. Doch da ist nichts. Ich warte noch kurz und schiele schüchtern aus meinen Haaren, blicke ihn an und er blickt nach unten auf sein Blatt Papier, starrt es an, seine Augen immer noch leer. Doch ich spüre wie seine Gedanken kreisen und die Kreise um die Worte immer kleiner werden und sie einschließen bis nur noch eine kleine Auswahl übrig bleibt. Er beginnt zu schreiben und ich ertappe mich wie ich gebannt seinen Handbewegungen folge, die weich und schnell die Worte niederschreiben.

Es ist wieder ruhig, er hat aufgehört zu schreiben und ich verstecke mich wieder hinter meinem zu langen Pony und schäme mich leise für meine Art mit lauten Blicken nach Aufmerksamkeit zu schreien. So kommt das sicher rüber, dabei finde ich ihn schlicht und einfach interessant und nichts weiter. Und er findet mich wahrscheinlich einfach uninteressant, weil ich mich so offensichtlich für ihn interessiere und er das vermutlich gewohnt ist, von kleinen Mädchen mit zu wenig Selbstbewusstsein. Ich steigere mich wieder in irgendwas rein, vergesse zu Atmen und schließe die Augen und atme langsam ein. Meine Fingerknöchel klopfen dreimal gegen meine Schläfe, vielleicht vertreibe ich so noch die Kopfschmerzen, denke „Lass das sein, lass das sein, lass das sein“. Wenn ich nicht eh wie ein Psycho aussehe, dann tue ich das spätestens jetzt.

Ich atme aus und öffne die Augen und sehe ein Stück Papier auf dem Tisch vor mir, auf dem Tisch zwischen dir und mir. Da steht geschrieben: „Steigen wir aus und trinken einen Kaffee, hier ist nicht der Ort zum Reden.“. Mehr verwirrt als verwundert schaue ich dich an und jetzt schaust du zurück. Wir blicken uns solange an bis aus dem Schmunzeln stummes Lachen wird und wir wieder, diesmal verlegen, unendlich beschäftigt tun. In diesem Augenblick ist der Typ verschwunden und stattdessen bist da Du. 


Ich erinnere mich an diesen Tag, als ob es erst gestern war. Beim nächsten Halt sind wir ausgestiegen und ins nächstbeste Kaffee zwischen heruntergekommenen Fabrikgebäuden gegangen. Deine Worte haben die Leere in mir gefüllt und meine Worte waren seit langem nicht mehr losgelöst, sondern ein Teil von mir. Du hast mich durch die Straßen geführt, mich bei der Hand und meine Angst genommen. Über die scheinbare Selbstverständlichkeit unseres Zusammenfindens hab ich mich lange täglich gewundert und mich eines Tages damit abgefunden. Nie vorher habe ich mich mit etwas so gerne abgefunden. Und das heißt nicht, dass es mir jetzt langweilig wär, denn etwas zu akzeptieren heißt nicht die Antwort zu kennen und ich frage mich oft, ob die Antwort zu kennen überhaupt schöner wär.

 Denn ich hasse zwar Rätsel auf Papier, doch ich liebe das rätseln mit dir, das Rätsel in dir, das Rätsel zwischen dir und mir. 
Ich finde es rätselhaft, dass du mir aufmerksam zuhörst und mich nicht auslachst, auch wenn ich manchmal komische oder völlig belanglose Dinge sag. Ich finde es rätselhaft, dass du mich damals einfach bei der Hand genommen hast und obwohl wir uns fremd, es sich so gut angefühlt hat. Ich finde es rätselhaft, dass ich neben dir aufwache, du neben mir aufwachst und mir sagst wie schön ich sei und ich dir das, weil es du bist, sogar glaube. Ich finde es rätselhaft, dass du noch hier bist, auch wenn ich unheimlich kalt und anstrengend sein kann. Ich finde keine Antworten und dennoch liebe ich das. Dass du hier bei mir bist. Dass du mich nicht im Stich lässt. Doch vor allem liebe ich, dass ich nicht mehr alleine Zug fahren muss. 

http://www.neon.de/artikel/fuehlen/liebe/ich-hasse-raetsel-eigentlich/1104629

Fragen

Was wäre, wenn ich mich halsüberkopf von einen auf den anderen Tag in dich verlieben würde? Wenn dein Lächeln plötzlich mehr wäre, als nur aufblitzende Zahnreihen? Wenn von dir so ein Strahlen abgehen würde, was direkt in mich eindringt? Was wäre, wenn wir den Zauber der Freundschaft überschreiten und ich beim Schielen auf den Display mir plötzlich deinen Namen erhoffen würde? Was, wenn ich mich halsüberkopf von einen auf den anderen Tag in dich verlieben würde?

Würdest du mich lieben?

Mittwoch, 29. Januar 2014

Käsenacht

Vom Club heimmachen. Zu nüchtern um weiter zu schlechter Musik gut zu tanzen. Zu nüchtern um all die besoffenen Personen zu ertragen und wieder mal einen Ellebogen in der Wirbelsäule zu spüren. Er deutet auf sein Bier. Klar, die Kopfbewegung kennt jeder. Los gehts. Das Lied noch. Und das. Leider geil.
Klauen den Stempel am Einlass und schwingen uns kunstvoll durch das Tor. Arschkalt. Mantelkragen noch oben ziehen, die Ärmen nach unten. Da liegt er. Der Glücksbringer der Nacht. Ein 10'ner, zerknüllt an einer Hausmauer. Ich lache und kann nich aufhören. Erzähle lauthals von meinen gesammelten Einnahmen, seitdem ich in der Stadt wohne. 17,28 €. Während wir in den Edeka schreiten, erzähle ich was von Karma. Oder einfach, dass doch keiner so ein Schwein haben kann, wie ich. "Irgendwas machst du halt richtig!", wohl wahr, denke ich nur. Joghurt. Nein doch ein Smoothie, der hat mir schon oft das Leben gerettet. Und Käse. Ohja unbedingt Käse. Gleich ein ganzes Stück. Emmentaler, weil der hat Löcher. Einmal komplett durch die Regale, bis wir vor den Getränken stehen. Wein hast du noch. Ich brauche Wasser mit Geschmack. Oder Saft. Tausch dreimal alle Flaschen in meiner Hand um am Ende doch die erste zu nehmen. "Oh Nutella brauch ich auch noch. Fürs Frühstück morgen!" Hopse inzwischen durch die Gänge, wieder bis hinter. "Wenn mich jetz jemand hier beobachten würde, der würde doch denken, ich bin hacke dicht. Bin ich aber gar ni. Wirklich. Ich hab nur Hunger. Und Appetit. Und es ist nachts. Und ich hab nen 10'ner gefunden.", schwafel ich dich zu in meinem schönsten Sächsisch. Du schüttelst nur den Kopf und versuchst mir zu folgen.
Begrüßung und ein "Macht das Brett zu!". Haue mich in den letzten freien Sessel und breite meine Errungenschaften breit vor mir aus. Da kommt schon die erste diebische Hand. Alter, Pfoten weg! Mantel als Schutzschild verwenden und selber den Smoothie erfühlen. Decken auf und rein in den Kopf. Mega gut. "Rettet Leben", denk ich mir. Unsere Blicke Treffen sich, der Dieb und ich. Wir sind scharf auf den Käse. Jetzt. Reiße mit den Zähnen die Tüte auf und beiße herzhaft herein. Ich liebe es, wenn man im Käsestück die Zahnreihen zählen kann. Halte dem Dieb den Käse hin. Nur mal abbeißen, aber bloß nicht loslassen. "Alter, lass mal Käse-Chips daraus machen! Einfach in Ofen und schmelzen!", beste Idee des Abends. Und dabei nicht mal meine.
Nun sitze ich hier. Laptop an und warte auf den Käse. 180°, Käse im Ofen, 10'ner gefunden. Was für eine Nacht. Eine Nacht aus einem ganz normalen Leben einer Kiwi.

Gute Nacht.

Dienstag, 28. Januar 2014

Kunst von heute

Interview mit Daniel Richter,
geklaut von:  http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/interview-mit-daniel-richter-die-meisten-maler-sind-doof-1433493-p4.html
Wird gefragt, holt aus. Trifft.


Ich glaube nicht, dass das geht. Ich glaube, dass Kunst, ganz stumpf, in erster Linie gute Kunst sein sollte. Das ist schon schwierig genug. Die muss weder von guten Menschen noch für gute Menschen sein. Das Einzige, was mich immer interessiert hat, ist, eine Begrifflichkeit von den herrschenden Verhältnissen zu haben, von den Bildern, die sie produzieren. Oder als Maler herauszufinden, wie wirkungsmächtig Bilder sind und in welchem Rahmen sie funktionieren, ideologieübergreifend. Man sagt ja, dass der Maler dümmer ist als andere Künstler, weil er mit einem Medium arbeitet, das ihn weniger zur Reflexion zwingt. Gute Malerei findet immer unter Einbeziehung der Mediendebatten drum herum statt, der Debatten über das Foto, das Kriegsbild und so weiter. Die meisten Maler interessiert das aber gar nicht. Die beschäftigten sich nur mit malerei-immanenten Dingen und mit ihren Vorlieben, deswegen ist die meiste Malerei auch so doof, und die meisten Maler sind auch doof. Tut mir leid.

Als Professor in Wien arbeiten Sie ja immerhin daran, wenigstens die Studenten klüger zu machen. Bis vor kurzem haben Sie das auch an der Universität der Künste in Berlin getan. Diese Professur haben Sie aber nach kürzester Zeit hingeschmissen. Warum?
Wegen Doofheit. Oh Mann, ist das in solchen Dingen eine doofe Stadt, das ist echt schockierend. Die Studenten sind ja nur das Ergebnis des Lehrkörpers, und wenn der Lehrer schlapp, faul und selbstzufrieden ist, dann sind die Studenten auch so. So eine Mischung aus Großmäuligkeit und Mufftum, Popanz und dann irgendwie doch nur ein Kothaufen sein, zwischen bürokratischem Wahn, Schurigelung, Vorschriftenmachenwollen, Hintenrumseilschaften . . . Ich habe noch nie an so einer Scheißhochschule gearbeitet.

Sie hatten eine der letzten C-4-Professuren. Das, wovon die meisten Ihrer Kollegen träumen. Ein Auskommen bis ans Lebensende . . . Nicht nur Ihre Mutter wird gefragt haben, ob Sie wahnsinnig seien.

Deshalb haben die mir ja auch nicht geglaubt, als ich gesagt habe, ich gehe. Aber jetzt bin ich weg.
Nun ist es nicht so, dass sich Daniel Richter ums Geld Sorgen machen müsste. Seine Bilder sieht er nach der ersten Galerieausstellung in der Regel nicht wieder. Einige hat er von den Sammlern noch nicht mal für seine Retrospektive zurückleihen können. Von solchen Bildern, etwa dem Programmbild „Weil ihr alle ausseht wie alte beschissene Malerei, müssen wir alle sterben“, will er in Hamburg zumindest kleinformatige Vorstudien ausstellen.
Das Gemälde, das er bis dahin noch fertigmalen will, zeigt eine Straßenszene aus St. Pauli. Wie auf den einschlägigen Darstellungen aus dem Barock weiß man nicht, ob die sich feilbietenden Damen in Fenstern sitzen oder Bilder im Bild sind. Aus der Bildinschrift „Eros“ wird gerade „Heros“, vielleicht aber auch „Hers“ oder alles gleichzeitig. Erstmals taucht bei Richter so etwas wie Porträtmalerei auf, ganz klassische Ähnlichkeit, wenn man so will, eine der letzten großen Bastionen, mit der man es bei der Rückeroberung des Bildfeldes von links zu tun bekommen kann.
Richter hat zu diesem Zeitpunkt noch knapp eine Woche Zeit bis zur Abgabe. Eigentlich nicht zu schaffen, vor allem wenn man, statt zu malen, ausführliche Interviews gibt. Aber er sagt, er brauche den Zeitdruck, sonst würde er nie fertig. Sonst würde er stundenlang in die offenstehenden Möglichkeiten starren und die Zeit vertrödeln. Dieses Jahr hat er erst drei Bilder gemalt. „Aber das Jahr ist ja noch jung. Dieses Jahr male ich noch vierzig. Oder hundertzwanzig.“ 

Ich dachte, Sie sind gerade Vater geworden?
Eben. Der Junge muss ja ernährt werden.

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Jaja Prüfung steht an. Hauptaufgabe diesmal: Bilder aus dem Gombrich lernen. Alle. Künstler, Werk, Jahr. Leider ist dieses schöne Bild von Grand Wood nicht mit dabei. Aber ich konnte nicht anders, als eine halbe Stunde mir die ganzen schönen Parodien anschauen. I love it. Von Simpsons, über Miss Piggy bis Barbie ist jede schöne Variante dabei.

Nur leider muss ich doch bisschen was machen für die Prüfung morgen. Und tata ich hab wirklich einen Künstler gefunden, den ich null ausstehen kann. Wassily Kandinsky. Ich weiß nicht warum. Vielleicht weil seine Striche nichts ausdrücken, mich aggressiv machen oder damals bei meinem Zahnarzt im Behandlungszimmer hang. Daran wirds wohl liegen. Wer mag schon Zahnärzte? Und dann solche scheiß Bilder dazu. Argh.


Samstag, 18. Januar 2014

Mittwoch, 15. Januar 2014

Sprung

Kennt ihr den Moment, wenn einem bewusst wird "Das was ich jetzt tue, kann ich nicht mehr rückgängig machen - entweder ich zieh's durch oder ich kneife.". Genau das fühle ich seit ein paar Tagen. Als würde man einen rießigen Sprung machen und man wartet nur darauf im Schnee einzusinken und zu sehen, was man bewirkt hat. Und die Spur, die sich nicht mehr ändern lässt... Manchmal weiß man nur nicht so richtig, ob es genau das ist. Das was hält, was es verspricht. Was man sich selbst verspricht.


Dienstag, 14. Januar 2014

Möwentshirterwachsenerspinner

Letztens habe ich davon geträumt. Von dem schlamm-grünen T-Shirt. Ich glaube mich daran erinnern zu können, dass eine Möwe auf der Brust war. Eine kleine orangene Möwe.
Genau da macht es klick. Ich kenn das T-Shirt. Ich kenn die Marke, die Farbe. Es war vor anderthalb Jahren in Leipzig. Wir schlenderten damals an einem echt kalten Tag durch die Innenstadt, da haben wir den Laden entdeckt. Nachdem ich zwei Pullis anprobiert hatte, wechselten wir die Etage. Männerabteilung. Und ganz hinten lag auf einem Tisch ausgebreitet dieses T-Shirt. In Grün, Braun, Blau, Orange und was weiß ich nicht. Ich kenne das T-Shirt, weil er es sich damals gekauft hat. Weil ich sagte, er würde richtig toll darin aussehen. Ich mochte das Shirt und ihn. Jetzt mag ich dich und dein Shirt. Verrückt. Und doch blitzt es jetzt immer wieder vor mir auf, wenn ich in die Welt hinaus starre. Wie heute in meinem Seminar. Eine heftige Diskussion über Poplitertur, Christian Kracht und Faserland. Ich sah nur das gegenüberliegende Bücherregal, minutenlang. Oder eigentlich auch nicht, sah nur das Grün, dein Gesicht bei der Frage, ob ich meinen Kaffee mit Milch trinken möchte oder das Foto, was ich gefunden habe von 2011. Ich weiß nicht, warum du mich so fesselst.
Logge ich mich ein, blinkt kein Feld gefüllt mit deinen Worten auf. Nein, du schweigst. Nur meine Worten scheinen dir zu gefallen, "Mr. X gefällt dein Status", heißt es dann. Und eigentlich sollte mich das völlig kalt lassen. Kenne dich doch kaum, nur einen Abend lang. Ja, kenn ein paar Bilder von deinem früheren Ich. Paar Dinge, die du tust oder magst. Nichts, was mich besonders beeindruckt hätte. Spinner, würde ich dich nennen. Erwachsengewordener Spinner. Aber wer weiß, vielleicht seh ich dich bald wieder. Vielleicht stehst du wieder vor der Haustür, wenn ich mit Musik auf den Ohren die Treppe hinaufkomme. Vielleicht erzählst du mir von deinem neuen Zuhause oder öffnest mir mein nächstes Bier. Vielleicht öffnet sich eine neue Tür. Vielleicht, weil wir beide kurz daran gedacht haben. An dem Abend in der Bar, als unsere Blicke sich mitten im Raum trafen und wir beide Lächeln mussten. "...dabei wollte ich dich doch heute noch küssen.". Spinner.

Mittwoch, 8. Januar 2014

Barabend

Schleiche auf leisen Socken an die Tür heran. Seitdem ich sie offen stehen sehen habe, wurde das Essen auf dem Herd ganz ausgeblendet. Die Tür, diese offen stehende Tür lässt mich nicht los. Blinzele hinein und sehe die große Tasche am Fußende des Bettes. Die Bettdecke noch ganz zerknüllt, ein Buch neben dem Kissen. Als nach all dem Lauschen und Blinzeln kein Ton zu vernehmen ist, pack ich meinen ganzen Mut und geh hinein. Das eigentlich leere Zimmer voller Persönlichkeit. Das Buch interessiert mich und das tote Ipad daneben. Auf dem Weg dahin finde ich es, dein grünes T-Shirt von vorgestern Nacht. Lass es mir nicht nehmen, es zu berühren. Mit den Fingern kleine Dellen in den Stoff drücken. Beuge mich herunter. Aber da ist nur der Zigarettenrausch aus der Bar. Nichts was mich  an dich erinnert. Doch blitzt das Bild vor mir auf, wie du über den Tresen gebeugt mich anlächelst und fragst, obs noch ein Bier sein darf. Klar. Und deine Bewunderung im Blick, als ich sagte, ich mag die Simpsons. "Magst du mich heiraten?", hast du gewitzelt. Ich guckte nur verblüfft, kannten uns doch gerade mal ein Bier lang. Leider hab ich all die anderen schönen Momente vergessen, Mr. Alkohol hat sie mir geklaut. Aber dein Lachen und deine leuchtenden Augen blieben hängen. Als ich kurz mit einem Freund im Flur stand und du hinterher zu mir meintest "Du hast wirklich gerade mit ihm rumgeknutscht? Schade, eigentlich wollte ich dich heute noch küssen". Der Satz flattert in mir, noch heute, zwei Tage später. Vielleicht weil ich dich vorhin noch einmal kurz gesehen habe, bevor dein Zug ging. Als du mir den Kaffee ausgabst und ich das Gefühl nicht los wurde, dass ich dich bald wiedersehen werde. Du nur deine große Reisetasche, die schon den ganzen Tag im Flur dein Abschied ankündigte, nahmst und ein "Tschüss" in den Raum warfst.

Sonntag, 5. Januar 2014

Worte an dich

Heute schreibe ich dir. Weil die Worte sich in meinem Kopf schon überschlagen und du mich regelmäßig so wütend machst. Aber ich weiß, ich darf dir gegenüber so etwas nicht zeigen. Du kannst damit nicht umgehen. Würdest wahrscheinlich denken, dass die ganze Welt böse und gemein ist und du dich noch mehr vor ihr schützen musst.
Weißt du eigentlich wie traurig es ist dich jedes mal zu treffen? Dein eingeigeltes Leben zwischen Büchern, DVD's und Videospielen, weil du irgendwie hoffst, die Zeit würde so schneller vergehen. Aber was kommt nach deinem Abwarten? Auf was verdammt wartest du? Darauf, dass Menschen dich vom Hocken reißen oder dich mit Nachrichten überschütten? Wer sollte sich denn melden, wenn nie jemand dich vor Gesicht bekommt, du nichts zu erzählen hast außer von deinem Unikram? Keiner mag immer nur Probleme hören. Niemand mag Alleinunterhalter für dich sein. Niemand mag von dir immer nur Ausreden hören, wenn wir dich doch mal zu was außerhalb deiner 4 Wände überreden wollen. Mittlerweile hast du nicht mal mehr Ausreden parat. "Kommst du mit - heute Abend Spieleabend! Hab auch schon Bescheid gegeben, kannst gerne mitkommen. Ich fahre, nehm unterwegs noch jemanden mit. Also Lust?" - Dein wahnsinnig sinnloses Wort "Nein". Punkt.

Traurig finde ich es, wenn du mir dann von den Jahren erzählst. Wie wild wir doch waren, wie verrückt. Wir verrückt? Wir saßen in der Schule und ich habe dich versucht vom Unterricht abzuhalten, weil mir langweilig war. Wo war da was Verrücktes? Was haben wir denn schon riskiert? Ja, ich einen Eintrag - du nichts. Gerade wir sollten jetzt nicht jammern, nicht von Vergangenheit reden - wir sind 20! Wir haben die verdammt geilsten Jahre gerade vor uns! Wir können alles tun! Ich plane gerade mein neues Tattoo und du freust dich auf... ja auf was denn? Auf die Tage, wenn ich wieder von meiner Uniwahlheimat komme und dein Leben um ein paar Stündchen bereichere. Aber was tun wir da? Ich komm zu dir, laber von allem möglichen Zeug, werf deinen Hackysack durchs Zimmer und kann die Minuten zählen, wenn ich erstmal weg bin, bis eine Sms von dir in mein Handy flattert. "Es war so dufte dich wieder zu sehen! Das waren wieder die schönsten Stunden meiner Woche... Wann sehen wir uns das nächste Mal?" - Irgendwann. Dann wenn ich wieder ausgenüchtert, halbwegs erholt bin und gerade mal nichts ansteht. Wenn mein Gewissen sagt, es ist Zeit für einen neuen Versuch dich aus deinen Mauern zu locken und dir zu zeigen, wie scheiße geil bunt die Welt sein kann!