Mittwoch, 8. Januar 2014

Barabend

Schleiche auf leisen Socken an die Tür heran. Seitdem ich sie offen stehen sehen habe, wurde das Essen auf dem Herd ganz ausgeblendet. Die Tür, diese offen stehende Tür lässt mich nicht los. Blinzele hinein und sehe die große Tasche am Fußende des Bettes. Die Bettdecke noch ganz zerknüllt, ein Buch neben dem Kissen. Als nach all dem Lauschen und Blinzeln kein Ton zu vernehmen ist, pack ich meinen ganzen Mut und geh hinein. Das eigentlich leere Zimmer voller Persönlichkeit. Das Buch interessiert mich und das tote Ipad daneben. Auf dem Weg dahin finde ich es, dein grünes T-Shirt von vorgestern Nacht. Lass es mir nicht nehmen, es zu berühren. Mit den Fingern kleine Dellen in den Stoff drücken. Beuge mich herunter. Aber da ist nur der Zigarettenrausch aus der Bar. Nichts was mich  an dich erinnert. Doch blitzt das Bild vor mir auf, wie du über den Tresen gebeugt mich anlächelst und fragst, obs noch ein Bier sein darf. Klar. Und deine Bewunderung im Blick, als ich sagte, ich mag die Simpsons. "Magst du mich heiraten?", hast du gewitzelt. Ich guckte nur verblüfft, kannten uns doch gerade mal ein Bier lang. Leider hab ich all die anderen schönen Momente vergessen, Mr. Alkohol hat sie mir geklaut. Aber dein Lachen und deine leuchtenden Augen blieben hängen. Als ich kurz mit einem Freund im Flur stand und du hinterher zu mir meintest "Du hast wirklich gerade mit ihm rumgeknutscht? Schade, eigentlich wollte ich dich heute noch küssen". Der Satz flattert in mir, noch heute, zwei Tage später. Vielleicht weil ich dich vorhin noch einmal kurz gesehen habe, bevor dein Zug ging. Als du mir den Kaffee ausgabst und ich das Gefühl nicht los wurde, dass ich dich bald wiedersehen werde. Du nur deine große Reisetasche, die schon den ganzen Tag im Flur dein Abschied ankündigte, nahmst und ein "Tschüss" in den Raum warfst.

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