Mittwoch, 20. November 2013

Zahltag


Manche Momente zerren mit aller Kraft die Wahrheit an das Licht und lassen Lügen und Wünsche in Flammen aufgehen.
Wie ein voll beladener Güterzug brettert dieser Moment schon seit Monaten auf mich zu. Mächtig und unvermeidbar. Kollision. Mit der Schuld und der Konsequenz. Konsequent wie eine stumpfe Axt, die meinen Kopf spaltet. Mit nur einem Hieb. Aber schmerzhaft. Mit nur einem Satz beendest Du meine Sehnsucht nach Dir. Stürzt mich kopfüber in die Wut einer Nacht. Zurück in die Arme der Geister, die Du immerzu beklagt und bedauert hast an mir. In mir. Zurück in die Ohnmacht einer Wut, die mein Leben unvereinbar mit der Liebe macht. Unvereinbar mit Dir. Ich taumele zurück in ein Leben, das jetzt so viel leerer scheint nach Dir. Leer und still. Wie ein Rascheln im Wind. Das Poltern eines anrauschenden Zuges. Zurück in die Arme der Angst. In eine Welt der leeren Versprechen und gebrochenen Schwüre. In eine Welt ohne Deine Wärme. Eine Wärme, die jetzt kalt und abstrakt vor mir liegt. Entblößt. Entlarvt. Vielleicht ist es besser so aber es fühlt sich nicht so an. Vielleicht ist es besser für Dich. Ohne mich. Ohne Zweifel. Zweifellos die bessere Wahl.
Ich habe Angst den Weg alleine zu gehen. Einen Weg, den sich die Dinge bahnen, die in uns wohnen und noch keinen Namen tragen, weil wir uns ihnen noch nicht gestellt haben. Ein Flüstern in der Dunkelheit. Ein kurzer Reflex, der mir den Mut nimmt. Unter einer Decke mit der Zuflucht. Unter einer Decke mit jemandem, der nicht Du sein kann. Zuflucht kommt von Flucht. In mir flieht ein kleiner Junge vor dem Leben. Vor Nähe. Vor Liebe. Flucht in Ketten. In Ketten der Angst durch fremde Städte, fremde Betten, fremde Leben. Ein kleiner Junge als Seemann verkleidet mit einem Kompass, dessen Nadel sich im Kreis dreht. Landschaften ziehen an mir vorüber. Silbrig glänzen die Regentropfen an den Fenstern rasender Züge. Die Dinge bahnen sich wieder ihren Weg. Die Angst fordert ihren Tribut und lässt sich mit noch mehr Angst bezahlen. Verloren auf dem Weg zu Dir. Verloren auf dem Weg zu mir. Flucht kommt von Zuflucht. Etwas flieht in mir und sucht nach dem, was Du nicht mehr geben kannst. Nicht mehr geben willst, weil wir alles, was wir lieben eines Tages zurücklassen müssen. Heute Du mich. Morgen ich Dich.

Manche Momente kennen kein Erbarmen. Manche Momente zerren mit aller Kraft die Wahrheit an das Licht und lassen Lügen und Wünsche in Flammen aufgehen. Werfen uns zurück auf die Beine, mit denen wir zur Welt gekommen sind. Und, mein Herz, es ist gut so, wie es ist. Es fühlt sich nur nicht so an.



written by 
riotsk_le_riotsk
 http://www.neon.de/artikel/fuehlen/liebe/zahltag/1086096

Samstag, 16. November 2013

Mauer

Ich renne fest dagegen. Gegen harte Worte und noch härtere Minen. Aber auch wenns noch so sehr weh tut - ich grins dir ins Gesicht. Weil ich dich mag. Und mach mir einen Plan, der niemals aufgehen wird. Und denke an dich, auch wenn ich's gar nicht mag. Und ich versuchs wieder und wieder: ich renne fest gegen deine Brust. Gegen dich und deine dumme Sturrheit. Und umso mehr verliert es seinen Sinn, weil es nicht weitergeht. Aber so sehr ich mich bemühe, start ich wieder einen Versuch. Und mag so gern dir einen Zettel hinterlassen: "Ich bin da.". Falls du mal allein bist hinter deiner Mauer. Oder nicht weiter weißt.


Donnerstag, 14. November 2013

Wagnis

Ich habs schon mal versaut. Von Anfang an. Damals wollte ich fliehen und du warst der Mensch, der mir ein rießiges Loch in mein kleines Verlies schlug. Natürlich nahm ich deine Hand, die so nach Freiheit und Frühling duftete. Nur war ich nicht das, was du dir erhofft hattest. Ich wollte deine Hand nicht behalten, mit mir rumschleppen und dich zum Strahlen bringen. Ich wollte selber strahlen. Und das tat ich. Du hast mich gerettet und ich hab dich untergehen lassen.

Heute sitze ich hier und kann nicht klar denken. Meine Hände greifen ständig nach diesem Ding, was ein paar alte Worte von dir anzeigt, einfach nur, damit ich sie wieder und wieder lese. Es macht alles keinen Sinn. Überhaupt keinen.
Während ich an dich denke, werde ich nervös. Meine Hände fuchteln in meinem Gesicht herum, fahren ständig über meine Lippen oder streichen die paar einzelnen Strähnen hinters Ohr um sie drei Sekunden später, wieder zu befreien. Dabei könnte es so einfach sein. Wir hätten einfach nur Spaß haben können, wild tanzen, uns betrinken und dann zusammen einschlafen können. Einmal. Vielleicht auch zweimal. Aber das wärs gewesen.

Aber nein, du hast mich geküsst. Früh, als du schnell in den Alltag musstest und ich mich unter deiner Bettdecke vorm Tageslicht versteckt habe. Da standest du einfach vor mir. Fuhrst mit deiner Hand über meinen nackten Rücken und drücktest hart und sanft deine Lippen auf meine. Einfach so, dabei wollte ich mich davon schleichen. Verstecken. Und den Abend als wunderbarer unperfekter Moment in Erinnerung behalten. Und dich verschmitzt anlächeln, wenn wir uns im Laternenlicht mal wiedersehen würden.
Doch du hast wieder angerufen. Gefragt, ob du vorbei kommen kannst. Nein, war meine Antwort. Donnerstag dann vielleicht wieder. Brauch einen ruhigen Schlafplatz nach einer durchtanzten, schwitzigen Nacht. Und da waren sie wieder, deine warmen Hände, die mir mehr bieteten als ich annehmen wollte.
Und ich fand etwas, was ich nicht finden wollte. Dich. Wärme. Geborgenheit. Vertrautheit. Sicherheit. Und das schöne aufregende Gefühl, was überquillt und einen Strahlen lässt. Aber ich wollte diesmal nicht alleine strahlen - ich wollte dich zum Strahlen bringen.

Nur irgendwie kippte die Wippe auf einmal. Ich strappelte wie wild mit denen Beinen in der Luft. Du lachtest nur locker mit anderen, die Füße am Boden. Ich machte Handstände, baute die schönste Höhlen, ließ Drachen steigen oder tanzte wie wild vor dir herum. Dein Blick ruhte nicht mehr auf mir. Und plötzlich, mit ein paar Worten, brachtest du meine gute-Laune-Strategie ins Wanken. Du willst das mit mir, wirklich, aber die Unsicherheit frisst dich auf. Und ich habe mich gefressen.

Wie beweist man einem Menschen, dass man es absolut ernst meint? Die Frage wummert schon seit Tagen durch meinen Kopf, wie ein Kater, der einfach nicht verschwinden mag. Melde mich, schreibe über Einschlafen, deine glitzernden Augen und Vermissen. Ich, die mal wahnsinnig liebe Worte ausspuckt, Traumschlösser baut und dann nie darin einzieht. Die sich nie zurückmeldet und ständig Dinge absagt oder verstreichen lässt, weil sie sich nicht festlegen möchte. Ich lege mich fest und du glaubst mir nicht. Scheiß Ironie.

Überlege mir unverfehlbare Strategien, die dich an mich binden müssen. Situationen, in denen du nicht widerstehen können müsstest. Und wenn ich dann dich im hellen Raum zwischen all den lachenden Gesichern und frechen Worten sehe, ist alles hin. Kein Plan da, der meine Mauer aufrecht hält und deine einstürzen lässt.

Erinner mich an die eine Nacht zwischen deinen Kissen. Wir kämpften darum, wer den aktiven Part übernimmt, wer sich um den Anderen bemüht. Keiner wollte nachgeben. Wir wanden und drehten uns. Und wollten uns. Doch blieben stark und müde im Kissen versunken liegen. Mein Kopf auf deiner Brust. Mitten in der Stille lachtest du, vielleicht wars auch ein leises Meckern: "Du bist so schlimm! ....und wir uns so ähnlich! Du Sturrkopf!". Wollten eine Tafel anschaffen um Striche zu machen, wer gewonnen hat in unserem Kampf um das Nachgeben. Und du sprachst das erste Mal von Zukunft. Ich fands schön. Es sollte also Weitergehen. Kampfhahn gegen Kampfhenne.

So betrachtet hast du wohl gewonnen. Du musst dich nicht mal melden, um mich zum Nachgeben zu bewegen. Um meine Pläne zu zerhäckseln und dir einen dicken fetten Strich auf der Tafel zu verdienen. Am besten ich male dir einen mit Edding, damit du dich an deinem Sieg ergötzen kannst. Und ich meinen Untergang nicht vergesse. Du hast gewonnen. Das erste und letzte Mal gegen mich. Ich kapituliere. Ich will nicht kämpfen. Ich will dich. Und mit dir in unserem Traumschloss einziehen.

Game over.

Von Ufos. Und so.

0:38. Starre die Zeit an und sie mich. Will nicht verstreichen. Und macht mich auch nicht schlauer, wie ich es mir vorgestellt hatte. Man denkt immer "Ja die Zeit wird es ergeben, wird mir schon weiterhelfen". Nichts tut sie. Guckt nur starr und verstreicht mit jeder blöden Sekunde. Ich will was tun. Aber nicht unten sitzen und lachen und reden und so tun, als wäre der ganze Scheiß normal. Das ist es nicht, nicht für mich. Normalerweise bin ich die Spielerin. Die, die sich nicht zurückmeldet, die macht, was sie denkt. Ständig ihre Meinung ändert und ganz spontan vor der Tür steht.  Die mal wahnsinnig liebe Worte ausspuckt, Traumschlösser baut und dann nie darin einzieht. Aber nun sitz ich hier, bekomm den Mund nicht auf, denke, denke und denke und nichts tut sich. Sollte ich mich melden? Hab ich's verkackt, weil ich dich um meinen kleinen Finger wickeln wollte? Habe ich's schon versaut gehabt, als ich noch nicht einmal auf den Gedanken kam? Nun bist du mein Gedanke. Und jede blöde Zeichnung hat einen wunden Punkt. Drückt man den, bin ich weg. Irgendwo in einer alten Situation eingetaucht, die so sonderbar war, wie alles, was hier irgendwie läuft. Du bist wie ein Ufo. Ich hab nicht an dich gedacht, wusste nicht, dass es dich gibt. Und habe erst recht nicht daran geglaubt. Dann hast du dich kurz gezeigt. Von der schönsten, interessantesten, aufgeregensten und glitzernsten Seite. Und schon warst du da, in meinen Gedanken. Wollte dich berühren, deine Form erkunden, mit dem Finger deine Kratzer nachfahren und merken, wie schön rauh und zart du dich anfühlst. Wollte wissen, was sich hinter dir verbirgt. Was all die Mythen auf sich haben. Warum du so eine Anziehung ausübst und dann eiskalt verschwindest. Ab und zu ein leises Signal sendest, was keiner zu deuten weiß. Weder ich oder die vielen Herzensmenschen, die fast jeden Tag meine Faszination von dir aushalten müssen. Die scheiß Worte, die immer heraussprudeln und jede Unterhaltung, die meine Zunge auf dich lenkt.
Habe ich schon mal erzählt, dass ich Ufos, Weltraumzeug und so ein Scheiß nicht ausstehen kann? Alles Kram, der schwierig ist und von dem ich keine Ahnung habe. Und an den ich nicht glauben konnte, solange ich es nicht selber gesehen habe. Wie dieses Himmels-W. "Ich sehe da nichts", hab ich immer gesagt, egal welcher Arm hoch in den schönsten Sternenhimmel deutete. "Da sind doch unendlich viele, wie soll ich da ein W finden? Und selbst wenn, dass ist doch Zufall! Aus jeden fünf Sternen kann man quasi ein W bauen!". Und dann saß ich auf dem Beifahrersitz, lauschte der Musik, während wir über die Autobahn flogen. "Eeeey schau mal! Da! Das sieht aus wie ein W!", sprudelte aus meinen Mund. Ich war buff. Wirklich, ein richtiges W. Und nun such ich es jeden klaren Abend. Fasziniert mich. Dieses kleine unscheinbare Zeichen. Es ist meins geworden. Sieht aus wie meine fünf kleinen Leberflecke am Handgelenk. Und so seltsam es auch klingt, ich mag es. Richtig doll sogar. Diese zufällige Anordnung von Sternen und Ufos, die verschwinden, wenn man sie einmal, zweimal, vor's Gesicht bekommt.

Sonntag, 10. November 2013

Bärenfalle


Das Bild hat mich immer an dich erinnert.

Wenn ich dich wieder mal mir gefangen habe, ganz kurz. Bis du wieder weg musstest, schnell ins Leben. Bist eben ein beschäftigter Mann. Mit deinen großen Tatzen über meinen Rippenbogen gefahren bist, auf der Suche nach dem kitzeligen Punkt, der mich kampfunfähig gemacht hat. Wenn ich mich beruhigt zurück an deinen warmen Pelz gekuschelt habe.

Nur leider kann man dich nicht fangen. Nicht behalten, nicht festhalten. Du musst weiter, deine Instinkten folgen. Ich behalte nur das warme Gefühl der Nächte, die du hinterlassen hast, wenn du gegangen bist. Und nun verabschiede ich mich. Einen Bären kann man sich nicht halten, sagte meine Mama. Und dich kann ich nicht halten.

Mach's gut.

Montag, 4. November 2013

Verzaubert

Worte, die dich irgendwo mitten in einem Moment erwischen, dich fangen, festhalten, anheben und schweben lassen. Melodien, die dich gefangen nehmen und erst sanft wieder landen lassen, wenn sie ausklingen. Die Stimme, die ihre warme Hand auf deiner Schulter legt und dir fest in die Augen schaut und die Schönheit sich darin spiegelt.
4 Menschen, die Welt verzaubern können. Einer, der schüchtern vor all den leuchtenden Gesichtern stand und nervös gleich nicht mehr wusste, was er spielen wollte. Der einem Geschichten aus seinem Leben erzählt und man selber spürt, dass man dieses Glück auch in sich trägt. Mit jeder Person, die uns zum Lächeln bringt. Mit jedem Moment, der doch einmalig ist.

Danke Philipp für diesen perfekten Abend.


Samstag, 2. November 2013

Warum ich dich wunderschön finde

Warum ich dich so wunderschön finde.

Wie du wütend gegen den Schnee trittst und ich denke, Mann, was für ein Idiot. Und trotzdem ahne, was du mir bedeuten wirst.
Warum ich dich schön finde.

Manchmal liege ich nachts wach, draußen rieselt leise der Schnee - ganz wie im Lied -, und ich liege wach und mir fällt dein Gesicht wieder ein. Große, dunkle Honigaugen und ein wunderschönes, breites, immerzu amüsiertes Grinsen. Ich vermisse dich dann schrecklich, mein Herz klopft und ich fühle mich plötzlich lebendig, als ich nur in Gedanken meine Arme um dich schlinge und dich fest an mich drücke. Eine herzliche Gedankenumarmung, nur für dich. Weil ich dich tief in meinem Herzen trage.

Sechs Jahre sind vergangen. Sechs Jahre und wir halten unsere Geschichte fest, wir halten sie verborgen und immer wieder versuche ich, sie zu erzählen. Ich versuche die ungesagten Worte zu erfinden und die erzählenden Blicke, die uns so oft haben sprachlos werden lassen. Wir haben Wettrennen mit einem blassroten Sonnenaufgang gemacht - und gewonnen. Wir sind nachts ans Meer gefahren und haben uns nicht getraut, uns an den Händen zu halten. Wir haben uns wirklich böse Worte an den Kopf geworfen und wir haben ganz große, traurige Lieder gespielt. Vor hunderten von Menschen eine Liebeserklärung gelebt, die keiner, außer uns, verstanden hat.

Manchmal hast du mich unsagbar schön gefunden, dass du nichts mehr sagen konntest. Ich weiß das, ich konnte die Schönheit sehen, wie sie sich in deinen Augen gespiegelt hat. Momente, in denen ich zum ersten Mal begriff, dass auch ich, ausgerechnet ich, wirklich sehr schön sein kann.
Aber du hast mich auch häßlich gefunden, hast versucht, mich abzuschütteln, immer dann, wenn du gesehen hast, dass ich eigentlich eine Künstlerin bin. Immer, wenn du mir nicht folgen konntest, in diese seltsame Welt voller Farben und Worten, die du einfach nicht verstanden hast, dann war ich für dich sehr häßlich. Aber du hast mich trotzdem geliebt. Und darüber bist du oft sehr wütend geworden. Auf mich, auf das Leben, auf dich selbst.

Und immer, wenn ich einen Raum betrete und du bist da, dann ist es jedes Mal aufs Neue so, dass wir siebzehn werden und uns in einem unglaublichen Sommer verlieren. Es ist deine Anwesenheit, die die Luft schmückt. Deine Blicke, die sich über Wortgefechten hindurch einen Weg bahnen. Ich kann nicht anders, ich kann nicht böse sein, über das, was geschehen ist. Weil ich so froh bin, dass ich dich damals gesehen habe. Wie du vor deinem Roller stehst, siebzehn Jahre alt, du rauchst eine Zigarette. Wie du wütend gegen den Schnee trittst und ich denke, man, was für ein Idiot. Und trotzdem ahne, was du mir bedeuten wirst. An dir habe ich zum ersten Mal erfahren, was es bedeutet, zu lieben. Und nicht nur darauf zu warten, selbst geliebt zu werden.

Zum ersten Mal geliebt habe ich dich, als du mir mein Englischbuch aus den Händen gerissen und zum Fenster hinaus geworfen hast. ,,Schluss mit lernen", hast du gemeint und mich angegrinst, bevor du mir ein Kissen an den Kopf geworfen hast. Wir sind durch mein Bett gekugelt, wir haben gelacht und den Sommer über unseren Köpfen hinweg treiben lassen. Es gibt eines, was uns immer tief verbunden hat: Wir wollten Kinder bleiben. Es ging uns nicht um den Sex, das Küssen, das Zusammensein. Es war, wie wir uns gekitzelt haben, gelacht und schließlich erschöpft nebeneinander eingeschlafen sind, deine Hand auf meinem Bauch und unter meinem Arm ein herzförmiges Kissen. Wir wollten nicht am harten Leben abprallen, wir wollten uns verstecken.

Ich liebe dich so sehr, weil ich dich so wunderschön finde, in deiner Art, einfach zu sein, was du bist. Du liebst dein Auto und du robbst über den Boden, wenn es sein muss. Du machst verrückte Sachen, weil du den Ernst des Lebens nicht aushalten kannst. Du lachst dich wie auf einem Floß davon. Und nachts hast du Angst davor, dass die kalte Seite neben dir für immer leer bleiben wird. Dass es niemals eine Frau aushalten wird, dass du manchmal so unnahbar bist, dass du so furchtbar hohe Erwartungen stellst, dass du so eine kalte, fiese Angst in deiner Magengrube spürst, vor dem, was sich zwischen den großen Menschen abspielt. Du willst niemals so werden wie sie. Und bist es irgendwie schon.

Ich vermisse dich manchmal so schrecklich, dass es auf eine wunderbar warme Art, weh tut. Es ist nicht, dass ich wieder mit dir zusammen sein möchte oder darüber nachdenke. Es ist nicht, dass ich vermisse, wie du mein Gesicht in deine Hände nimmst und mir einen vorsichtigen Kuss auf den Mundwinkel drückst. Oder wie du neben mir liegst, eingerollt in deiner verflissenen Sternendecke und ein ,,Ich liebe dich" dahin hauchst, so, als wären es Zauberworte, die man behutsam anfassen muss. Nein, das ist es nie gewesen, was uns verbunden hat. Dieses klebrig romantische Ding, damit konnten wir nichts anfangen. Kann ich heute noch nicht.

Ich finde keine Worte, die es benennen. Aber es war zum Beispiel die Nacht, als ich hinter dem Tresen gestanden und immerzu Gläser abgewaschen habe. Du hast dich auf den Barhocker gesetzt und deinen Kopf auf deine Arme gelegt. So lagst du da mit geschlossenen Augen, um ab und zu heimlich zu mir rüber zu schielen. Manchmal habe ich dir eine Cola hingestellt und ich habe dich gefragt: ,,Weißt du noch? Als du mir zum Meer gefolgt bist?"
,,Was habe ich?", du schaust auf und in deinen Augen glänzt auf einmal neues Leben.
,,Ja. An dem Tag, an dem du mir erzählt hast, dass du in der Badewanne geschlafen hast."
Du schüttelst entrüstet deinen Kopf, so, als würde ich etwas unanständiges erzählen. Aber in deinen Augen liegt eine Zärtlichkeit, die fast weh tut. Die ich fast nicht aushalten kann.
,,Wenn ihr wollt, passe ich kurz auf.", sagt der schwere Muskelmann neben dem Tresen und grinst. ,,Wozu?", frage ich irritiert.
,,Na, damit ihr tanzen gehen könnt."
,,Wollen wir?", frage ich dich und mein Herz macht einen Sprung, weil es mich so eine Überwindung kostet, dich das zu fragen.
Und dann tanzen wir über die Tanzfläche, als beinahe einziges Paar. Es ist morgens, vier Uhr, fast alle Gäste sind weg und mir schlägt das Herz bis zum Hals, obwohl ich dich seit drei Jahren kenne, schon hundertmal neben dir geschlafen, dich schon so oft berührt habe. Aber immer wieder ist es, als würden wir uns zum ersten Mal berühren, zum ersten Mal ein Land betreten, welches uns bis heute unbekannt geblieben ist.
Du lachst, sagst, dass du es um diese Zeit nicht besser kannst. Du weißt, dass ich das Tanzen seit einem Jahr professionell verfolge.
Ich kann dein Herz schlagen spüren. Mir wird schwindelig.

Wir sind haarscharf aneinander vorbei geprallt. Ich bin sicher, irgendwo gibt es eine Parallelwelt, in der unsere Kopien diesen einen wichtigen Augenblick nicht verpasst haben, in dem sie ausgesprochen haben, was beide dachten. Eine Welt, in der ich nicht aus der Heimat geflüchtet bin und in der du dich getraut hast, mir diese eine, wichtige, Frage zu stellen. Wir sind dort nicht immer glücklich, manchmal verfluche ich deine blöde Art und manchmal findest du mich sehr nervend. Aber wir finden uns immer wieder, wir verlieren uns nicht, wir wissen, dass wir es nirgendwo wiederfinden würden, das, was zwischen uns steht und das, was wir niemals ganz loslassen und aufgeben können.

Es ist wie damals, in der Disco. Als wir uns gerade angebrüllt haben, frisch getrennt und todtraurig, weil wir doch eigentlich was anderes wollten. Gerade siehst du mich hasserfüllt an, als dieser betrunkene Vollidiot vorbei latscht, stehen bleibt, uns freiherzig und naiv angrinst und völlig sorglos daher plappert: ,,Ach, wisst ihr was, wenn ihr beide Kinder hättet, die wären ganz sicher total intelligent.", sprach es und zieht weiter, während wir peinlich berührt auf unsere Schuhspitzen starren und an Kinder mit großen Augen denken, mit Wuschelhaaren, die so sind, wie wir, nur besser. Nur nicht ganz so hohl und engstirnig und mutlos. Zweimal in sechs Jahren wäre ich beinahe schwanger von dir geworden.

Heute lebe ich in der bunten Großstadt und du bist noch immer in der Freiwilligen Feuerwehr. Du spielst Fußball und gehst an den Wochenenden auf die Scheunenpartys. Du hast ein bisschen Angst davor, dass irgendwann alle weg sind und du als einziger übrig bleibst.
Ich studiere und arbeite und werde irgendwann die Welt sehen, hoffentlich.

Trotzdem hat sich nichts geändert. Mich an dich zu erinnern, ist, wie nach Hause zu gehen. Ein heimeliges Gefühl in der Magengrube. Es ist, als würde ich tanzen, schwerelos, als würde ich in Gedanken über ein Parkett schweben, welches nur für uns daliegt. Es ist, als würde ich in eine Welt abtauchen, die nur wir beide kennen, die es nur wegen uns gibt, und Kraft schöpfen, um das Unmögliche zu versuchen. Ich weiß, dass das geht. Du hast mir das beigebracht. Du hast mich damals gerettet, als ich siebzehn war und meine Cola auf deine Jeans verschüttet habe. Als ich später weinend auf dem Klo saß und du mir eine SMS geschrieben hast: ,,Komm wieder raus!" Und ich raus gekommen bin, mit einem feuchten Lächeln, und du mir deine Jacke um meine Schultern gelegt hast. Als ich noch deine Rockgöre und dein Psychiater war.

Ich habe lange gedacht, ich müsste aufhören, dich zu lieben. Man müsste das, weil alle das tun. Weil es sonst keinen Sinn ergibt. Ich habe versucht, zu joggen, um dir davon zu rennen. Aber Tatsache ist, dass meine Liebe immer nur größer geworden ist, dass sie nicht weg geht, dass sie da ist, nicht, wie ein Feuer, sondern wie ein großer Bruder, mit dem ich mich nicht immer gut verstehe, aber zu dem mich trotzdem alles verbindet. Ich habe aufgegeben, zu versuchen, es zu erklären oder es umzubenennen. Aufgegeben, eine gute Freundin für dich zu werden und aufgegeben, aus uns eine funktionierende Beziehung zu machen. Stattdessen lebe ich mein Leben, liebe, streite und freue mich und manchmal, manchmal eben, liege ich nachts wach und erinnere mich an dich. Momente, in denen ich das Leben durch meine Blutbahnen pulsieren spüre, in denen ich dich so schrecklich vermisse und in denen ich dich gedanklich fest umarme, in der Hoffnung, dass du das spüren kannst, nicht, um dich an mich zu erinnern, sondern, um dir irgendetwas zu geben. Du warst das, was man Jugend nennt. Oder erste große Liebe. Und heute bist du meine allerschönste Erinnerung, mein Seelentröster und du bist es, der aus mir gemacht hat, was ich heute bin.
Eine Frau, die versucht, eine Schriftstellerin zu werden. Ob gut oder schlecht, das vermag ich nicht zu urteilen, aber ich muss es zumindest versuchen.

Weißt du, ich wünsche dir alles Gute auf dieser Welt. Ich wünsche dir, dass du glücklich wirst, dass du dich findest und diese Ruhe spüren lernst, die ich dir nie erklären konnte. Dass du die Stille zu schätzen weißt und dass du nicht immer suchen musst. Dass du auch mal ankommst, manchmal findest und dich an dir selbst festhalten kannst.

Weißt du, ich hasse es, wenn ich wegen dir so kitschig und romantisch werde. Wenn ich da hocke, mit glänzenden Augen und triefige Texte schreibe, wenn ich immer wieder über die Zeilen fräse, um sie grober und brutaler zu schreiben, damit es nicht so rosa ist. Nicht so... rosarot. Das mögen wir beide nicht. Aber ich habe noch nicht gelernt, bodenständig zu schreiben. Ich übe noch, die Liebe wie das Leben selbst zu beschreiben. Also, bitte, solltest du das hier jemals lesen, verzeih mir.

 by Madame_Frosch http://www.neon.de/artikel/-/-/warum-ich-dich-so-wunderschoen-finde/665070