Manche Momente zerren mit aller Kraft die Wahrheit an das Licht und lassen Lügen und Wünsche in Flammen aufgehen.
Wie ein voll beladener Güterzug brettert dieser Moment schon seit Monaten auf mich zu. Mächtig und unvermeidbar. Kollision. Mit der Schuld und der Konsequenz. Konsequent wie eine stumpfe Axt, die meinen Kopf spaltet. Mit nur einem Hieb. Aber schmerzhaft. Mit nur einem Satz beendest Du meine Sehnsucht nach Dir. Stürzt mich kopfüber in die Wut einer Nacht. Zurück in die Arme der Geister, die Du immerzu beklagt und bedauert hast an mir. In mir. Zurück in die Ohnmacht einer Wut, die mein Leben unvereinbar mit der Liebe macht. Unvereinbar mit Dir. Ich taumele zurück in ein Leben, das jetzt so viel leerer scheint nach Dir. Leer und still. Wie ein Rascheln im Wind. Das Poltern eines anrauschenden Zuges. Zurück in die Arme der Angst. In eine Welt der leeren Versprechen und gebrochenen Schwüre. In eine Welt ohne Deine Wärme. Eine Wärme, die jetzt kalt und abstrakt vor mir liegt. Entblößt. Entlarvt. Vielleicht ist es besser so aber es fühlt sich nicht so an. Vielleicht ist es besser für Dich. Ohne mich. Ohne Zweifel. Zweifellos die bessere Wahl.Ich habe Angst den Weg alleine zu gehen. Einen Weg, den sich die Dinge bahnen, die in uns wohnen und noch keinen Namen tragen, weil wir uns ihnen noch nicht gestellt haben. Ein Flüstern in der Dunkelheit. Ein kurzer Reflex, der mir den Mut nimmt. Unter einer Decke mit der Zuflucht. Unter einer Decke mit jemandem, der nicht Du sein kann. Zuflucht kommt von Flucht. In mir flieht ein kleiner Junge vor dem Leben. Vor Nähe. Vor Liebe. Flucht in Ketten. In Ketten der Angst durch fremde Städte, fremde Betten, fremde Leben. Ein kleiner Junge als Seemann verkleidet mit einem Kompass, dessen Nadel sich im Kreis dreht. Landschaften ziehen an mir vorüber. Silbrig glänzen die Regentropfen an den Fenstern rasender Züge. Die Dinge bahnen sich wieder ihren Weg. Die Angst fordert ihren Tribut und lässt sich mit noch mehr Angst bezahlen. Verloren auf dem Weg zu Dir. Verloren auf dem Weg zu mir. Flucht kommt von Zuflucht. Etwas flieht in mir und sucht nach dem, was Du nicht mehr geben kannst. Nicht mehr geben willst, weil wir alles, was wir lieben eines Tages zurücklassen müssen. Heute Du mich. Morgen ich Dich.
Manche Momente kennen kein Erbarmen. Manche Momente zerren mit aller Kraft die Wahrheit an das Licht und lassen Lügen und Wünsche in Flammen aufgehen. Werfen uns zurück auf die Beine, mit denen wir zur Welt gekommen sind. Und, mein Herz, es ist gut so, wie es ist. Es fühlt sich nur nicht so an.
written by
riotsk_le_riotsk
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